Ein angeschlagenes Flaggschiff erhält ein umfangreiches technisches Update

Mercedes-Benz hat seinem elektrischen Flaggschiff erneut eine Überarbeitung verpasst und den frisch aktualisierten EQS des Modelljahres 2027 vorgestellt, mit Änderungen, die gezielt auf die Kritikpunkte eingehen, die das Modell seit seiner Einführung begleiten. Das Update verbindet verbesserte Reichweite und Ladeleistung mit einem auffälligeren Auftritt sowie einem neuen Steer-by-Wire-System in Kombination mit einem yokeartigen Lenkelement.

Der EQS hatte es am Markt schwer. Laut dem Ausgangsmaterial stellten Händler infrage, ob das Fahrzeug genug Begehrlichkeit ausstrahle, die Rabatte wurden immer höher, und die Produktion für den US-Markt wurde vorübergehend ausgesetzt, bevor sie später wieder anlief. Vor diesem Hintergrund wirkt das Facelift weniger wie eine kosmetische Auffrischung als vielmehr wie der Versuch, die Position des Fahrzeugs neu zu definieren.

Mercedes versucht erkennbar, zwei unterschiedliche Probleme gleichzeitig zu lösen. Das eine ist technischer Natur: den EQS als EV wettbewerbsfähiger machen, indem Effizienz, Ladegeschwindigkeit und nutzbare Reichweite verbessert werden. Das andere ist emotional: Das Auto soll unverwechselbarer und offensichtlicher premium wirken, in einem Segment, in dem das Image ebenso wichtig ist wie die technischen Daten.

Was sich unter der Oberfläche geändert hat

Die größten Verbesserungen betreffen Mechanik und Elektrik. Wenn der EQS des Modelljahres 2027 noch in diesem Jahr in den USA ankommt, steigt seine Batteriekapazität von 118 kWh auf 122 kWh. Der Akku wird dabei nicht physisch größer; Mercedes sagt, er sei lediglich energiedichter geworden. Dieser moderate Zuwachs an gespeicherter Energie wird von umfassenderen Effizienzmaßnahmen begleitet, die die Reichweite stärker verbessern sollen, als es der reine Batterieanstieg vermuten ließe.

Das Ergebnis ist laut Bericht ein erwarteter Sprung von heute 385 Meilen EPA-Reichweite auf etwa 420 Meilen mit einer vollen Ladung. Bei einem großen Luxus-EV ist eine solche Verbesserung wichtig. Sie schärft nicht nur eine Kennzahl im Datenblatt. Sie reduziert Ladepausen auf Langstrecken und verschafft dem Fahrzeug mehr Gewicht in einem Markt, in dem Reichweite weiterhin als Kurzform für technische Glaubwürdigkeit gilt.

Mercedes führt außerdem ein Zweiganggetriebe ein, ein Merkmal, das der Konzern bereits bei neueren Elektromodellen wie dem CLA und den GLC-Class EVs eingeführt hat. Unterschiedliche Übersetzungen bei verschiedenen Geschwindigkeiten können Effizienz und Fahrbarkeit verbessern, und in diesem Fall setzt das Unternehmen diese Technik ein, damit der EQS sowohl beim entspannten Reisen als auch bei der optimalen Nutzung seiner Batterie besser abschneidet.

Das überarbeitete Fahrzeug erhält außerdem neue Elektromotoren mit 544 oder 585 PS, je nach Konfiguration. Die Leistung allein ist hier nicht die eigentliche Schlagzeile, doch die neuen Motoren sind wichtig, weil sie zugleich als effizienter beschrieben werden. Mercedes jagt nicht einfach nur höheren Zahlen hinterher; der EQS soll als ausgereifteres Elektroplattform für lange Strecken wahrgenommen werden.

800 Volt und schnelleres Laden bringen den EQS näher an aktuelle Erwartungen

Vielleicht die folgenreichste Änderung ist der Wechsel zu einer 800-Volt-Elektroarchitektur. Damit bewegt sich der EQS beim Schnellladen auf ein moderneres Niveau, wo Premium-EV-Käufer zunehmend kürzere und weniger störende Ladepausen erwarten.

Mercedes sagt, das System unterstütze Laden mit bis zu 350 kW und ermögliche es dem EQS unter idealen Bedingungen, in 10 Minuten bis zu 175 Meilen Reichweite nachzuladen. Das ist die Art von Anspruch, die das Nutzerverhalten verändern soll, nicht nur die Marketing-Sprache. Schnelleres Laden ist gerade in einer großen Luxuslimousine wertvoll, weil das Fahrzeug auf Langstreckenkomfort ausgelegt ist und dadurch die Ladeleistung auf Roadtrips relevanter macht als bei einem kleineren, auf die Stadt ausgerichteten EV.

Das Unternehmen sagt außerdem, dass sich der Akku bei Anschluss an ein 400-Volt-Schnellladegerät praktisch aufteilen lasse, wodurch eine Spitzenladeleistung von 175 kW möglich werde. Das ist ein praktisches Kompatibilitätsdetail und deutet darauf hin, dass Mercedes den EQS nicht nur für die beste Station optimieren, sondern ihn über unterschiedliche Ladeinfrastrukturen hinweg flexibler machen will.

Luxus-Theater bleibt Teil der Strategie

Wenn die technischen Änderungen klar nützlich sind, fallen die Design- und Innenraumupdates deutlich polarisierender aus. Mercedes hat die breite Präsenz des EQS beibehalten, gleichzeitig aber beleuchtete Sterne in die Kühlergrillfläche integriert und sogar einen beleuchteten stehenden Kühlerstern angeboten. Im Innenraum können optionale Türverkleidungen vorn gestickte Lorbeerkränze mit Bezug zum Mercedes-Emblem tragen, während neu gestaltete Getränkehalter und beheizte Sicherheitsgurte vorn die stark auf Luxus setzende Positionierung fortführen.

Diese Details zeigen, dass Mercedes versucht, einem Auto mehr Inszenierung zu geben, das Kritiker und Händler teils als zu anonym für seinen Preis empfunden haben. Das Risiko liegt auf der Hand: Auffällige Elemente können eine Premium-Identität stärken oder überladen wirken. Doch das Unternehmen scheint bereit, die visuelle Eigenständigkeit stärker zu betonen, statt den EQS weiter zurückhaltend und kommerziell verwundbar zu lassen.

Das Yoke ist die kühnste Wette

Das umstrittenste Element dürfte das neue Yoke- und Steer-by-Wire-System sein. Die traditionelle mechanische Verbindung der Lenkung prägt die Erwartungen der Fahrer seit mehr als einem Jahrhundert, sodass ihr Ersatz durch ein elektronisch vermitteltes System zwangsläufig zu einem Vertrauens- wie auch Designthema wird.

Das Yoke von Mercedes soll geschlossener wirken als einige frühere Beispiele und eine feste Handposition bei neun und drei Uhr fördern. Das Unternehmen setzt darauf, dass das System fortschrittlich statt entfremdend wirkt. Funktioniert es sauber und konsistent, könnte es zu einem Differenzierungsmerkmal werden. Wenn nicht, droht es zu dem Detail zu werden, das von den eigentlichen Verbesserungen des EQS ablenkt.

Warum dieses Facelift zählt

Der überarbeitete EQS zeigt, dass Mercedes trotz wechselhafter Resonanz nicht bereit ist, ein dediziertes Flaggschiff-EV aufzugeben. Das Unternehmen hat sich dafür entschieden, die Grundlagen zu verbessern, statt vollständig zur elektrischen Version des S-Klasse-Rezepts zurückzuweichen. Mehr Reichweite, schnelleres Laden, eine neuere Architektur und bessere Effizienz sind nachvollziehbare Antworten auf den Marktdruck.

Ob das reicht, hängt aber nicht nur von der Technik ab. Der EQS muss Käufer weiterhin davon überzeugen, dass er technologisch wie emotional an der Spitze von Mercedes' Elektro-Linie steht. Dieses Update verbessert seine Ausgangslage. Das technische Fundament ist klar stärker, auch wenn das beleuchtete Emblem und das Lenkyoke die Meinungen weiter spalten werden.

Für Mercedes mag das akzeptabel sein. Ein Flaggschiff, das Debatten auslöst, aber offensichtliche Fähigkeitslücken schließt, ist besser positioniert als eines, das sich überhaupt nicht abheben kann.

Dieser Artikel basiert auf einem Bericht von The Drive. Den Originalartikel lesen.

Originally published on thedrive.com