Ein seit Langem erträumtes Sonnenobservatorium nimmt die Arbeit auf
Die Proba-3-Mission der Europäischen Weltraumorganisation beginnt, eines der ältesten Ziele der Sonnenforschung einzulösen: die Fähigkeit, totale Sonnenfinsternisse auf Abruf zu erzeugen und sie zu nutzen, um die äußere Atmosphäre der Sonne in bisher unerreichter Detailtiefe zu untersuchen.
Laut der von Universe Today zusammengefassten ESA-Berichterstattung zeigen die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse der Mission, dass das Zwei-Raumfahrzeug-System Weltraumwetter bis zu seiner Quelle zurückverfolgen kann, indem es die Sonnenkorona direkt beobachtet, jene schwache äußere Schicht der Sonne, die normalerweise vom intensiven Licht der Photosphäre überstrahlt wird.
Das ist wichtig, weil in der Korona viele der Prozesse ablaufen, die den Sonnenwind und andere Weltraumwetterereignisse antreiben. Zu verstehen, wie sich die Aktivität in dieser Region entwickelt, ist eine zentrale Frage sowohl für die Sonnenphysik als auch für die praktische Vorhersage, da Weltraumwetter Satelliten, Kommunikation, Navigation und Energiesysteme beeinträchtigen kann.
Wie Proba-3 seine eigenen Sonnenfinsternisse erzeugt
Proba-3 ist nicht auf seltene natürliche Ausrichtungen angewiesen. Stattdessen fliegen zwei Raumfahrzeuge in Formation: Eines fungiert als Okkulter und blockiert die Sonne physisch, während das andere den Koronographen trägt, der die künstliche Sonnenfinsternis beobachtet.
Die technischen Anforderungen sind extrem. Während der Beobachtungsphasen müssen die Raumfahrzeuge einen Abstand von 150 Metern mit Submillimeter-Präzision einhalten. Das geschieht in einer stark elliptischen Erdumlaufbahn mit einer Periode von 19,7 Stunden, wobei sich der wissenschaftliche Betrieb nahe dem Apogäum konzentriert, etwa 60.530 Kilometer von der Erde entfernt.
Diese Präzision ist der eigentliche Durchbruch. Bodengebundene Koronographen haben mit atmosphärischen Verzerrungen zu kämpfen, während natürliche Sonnenfinsternisse kurz und geografisch begrenzt sind. Ein Formationsflugsystem im All kann beide Einschränkungen vermeiden und stabile, wiederholbare Beobachtungen ermöglichen.
Bisher haben Forschende Berichten zufolge 250 Stunden hochauflösendes Videomaterial der Korona über 57 künstliche Sonnenfinsternisse hinweg gesammelt. Zum Vergleich: Eine totale Sonnenfinsternis auf der Erde dauert höchstens etwa 7,5 Minuten. Proba-3 hat dieses Beobachtungsfenster bereits in dramatischem Maß vervielfacht.








