Ein größeres genomisches Bild der Migration in die Amerikas
Eine neue DNA-Studie mit fast 200 indigenen Genomen fügt der Geschichte, wie sich Menschen über die Amerikas verbreiteten, sowohl mehr Detail als auch mehr Rätsel hinzu. Laut Berichten über die Arbeit fanden Forschende Hinweise auf drei unterschiedliche Migrationswellen nach Südamerika über Tausende von Jahren und identifizierten Spuren von Abstammung aus einer bislang unbekannten asiatischen Ausgangspopulation, die als „Ghost“-Linie beschrieben wird.
Die Analyse stützte sich auf DNA moderner indigener Gruppen in den Amerikas, darunter Quechua-Gemeinschaften in den Anden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Besiedlung Südamerikas nicht als eine einzige, einheitliche Bewegung vollzog. Stattdessen scheint die menschliche Besiedlung von mehreren Migrationen geprägt worden zu sein, darunter eine jüngere Welle vor etwa 1.300 Jahren.
Diese Schlussfolgerung ist wichtig, weil die genetische Geschichte der Amerikas seit Langem als komplex verstanden wird, aber oft auf vergleichsweise begrenzten Datensätzen beruhte. Durch die Verwendung einer größeren Sammlung indigener Genome konnten die Forschenden feinere Strukturen in den Abstammungsmustern erkennen und Populationssignale identifizieren, die zuvor nicht klar aufgelöst waren.
Drei Migrationswellen, nicht eine einfache Ausbreitung
Die zentrale These der Studie lautet, dass Menschen Südamerika im Verlauf von Jahrtausenden in drei getrennten Wellen erreichten. Das stellt die Grundidee nicht zwangsläufig infrage, dass Populationen aus Asien in die Amerikas einwanderten und sich dann nach Süden ausbreiteten. Es fügt dem Geschehen nach diesen anfänglichen Bewegungen jedoch eine deutlich geschichtete Chronologie hinzu.
Lange Zeit konnten vereinfachte Migrationsmodelle den Eindruck einer einzigen Gründerpopulation vermitteln, die sich allmählich über die Kontinente verzweigte. Die neuen Ergebnisse deuten stattdessen auf wiederholte Bevölkerungszuflüsse hin, wobei spätere Ankünfte auf Weise zur Abstammung mancher Gruppen beitrugen, die noch in der modernen DNA sichtbar sind.
Ein besonders bemerkenswerter Befund ist, dass sich vor etwa 1.300 Jahren eine bislang unbekannte Welle von Menschen in Südamerika niederließ. Dieses Datum liegt im Vergleich zur frühesten bekannten Besiedlung der Amerikas relativ spät und legt nahe, dass Bevölkerungsbewegungen nach oder innerhalb Südamerikas noch lange nach der ersten Besiedlung des Kontinents dynamisch blieben.
Wie genau diese Bewegung ablief und wie stark sie bestehende Populationen veränderte, muss weiter untersucht werden. Die Studie legt jedoch nahe, dass sich die demografische Geschichte der Region nicht vollständig mit einem einzigen Gründungsereignis und anschließender lokaler Divergenz erfassen lässt.





