Mehr von der Sonne sehen, bevor sie sich der Erde zuwendet
Seit Jahrzehnten haben Sonnenforscher nur ein unvollständiges Bild von der Rückseite der Sonne. Dort konnten aktive Regionen entstehen, Sonnenflecken sich bilden und Ausbrüche sich zu Flares oder koronalen Massenauswürfen aufbauen, lange bevor eines davon aus Sicht der Erde direkt ins Blickfeld rotierte. Die Helioseismologie änderte das, indem sie Forschern erlaubte, verborgene Aktivität aus Schallwellen zu erschließen, die sich durch die Sonne bewegen. Doch eine wichtige Eigenschaft ließ sich weiterhin nur schwer zurückgewinnen: die magnetische Polarität.
Nun sagen Forscher um Amr Hamada vom National Solar Observatory, sie hätten einen Weg gefunden, diese fehlende Information aus helioseismischen Karten zu extrahieren, die über das Global Oscillation Network der NOAA erzeugt werden. Das Ergebnis ist ein nach Polarität aufgelöstes Bild der aktiven Regionen auf der Rückseite, das Vorhersagern möglicherweise ein nützlicheres Frühwarnsignal für das Weltraumwetter liefert.
Warum Polarität wichtig ist
Magnetische Polarität ist zentral für das Sonnenverhalten. Die sichtbare Oberfläche der Sonne wird von Magnetfeldern geprägt, die sich in Sonnenflecken konzentrieren und Ausbrüche wie Flares und koronale Massenauswürfe antreiben. Um Sonnenaktivität genauer vorherzusagen, brauchen Wissenschaftler mehr als nur den Ort einer aktiven Region. Sie müssen auch die Struktur des Magnetfelds darin verstehen.
Genau das macht den neuen Schritt wichtig. Die Helioseismologie hatte Wissenschaftlern bereits erlaubt zu erkennen, wo auf der Rückseite aktive Regionen existierten. Laut Hamada fehlte Forschern bis vor Kurzem jedoch die Fähigkeit, eines der wichtigsten Merkmale dieser Regionen zu bestimmen: die Polarität ihres Magnetfelds.







