Ein Plädoyer dafür, über den Start hinauszudenken

Die kommerzielle Raumfahrtbranche misst Fortschritt noch immer oft an Startfrequenz, Raketenmasse und Ausbringungsvolumen. Ein neuer Fahrplan, der in SpaceNews vorgestellt wurde, argumentiert, dass dieser Blick zu eng ist und dass die nächste Wachstumsgrenze zunehmend im Orbit und nicht auf der Erde liegt. Die vorgeschlagene Antwort ist eine Space-to-Space- oder S2S-Wirtschaft, die auf Satellitenservice, der Bündelung bereits im Orbit vorhandener Ressourcen und der Fertigung von Infrastruktur näher am Einsatzort beruht.

Die Argumentation beginnt mit einer praktischen Beobachtung: Nicht Raketen, sondern Satelliten erzeugen den größten Teil des heutigen Werts der Weltraumwirtschaft. Dennoch steigt die Zahl aktiver Objekte im niedrigen Erdorbit rasant; der Artikel sagt, dass sich die Gesamtzahl alle zwei Jahre verdoppelt. Dieses Tempo erzeugt Staus, die sich allein durch mehr Starts nicht lösen lassen.

Orbitaler Stau als wirtschaftliches Problem

Mit wachsendem Verkehr müssen Satelliten mehr Manöver durchführen, um Kollisionen zu vermeiden. Diese Manöver verbrauchen Treibstoff, erhöhen die Betriebskosten und verkürzen die Missionsdauer. Das Ergebnis ist eine sich verstärkende Ineffizienz. Je mehr Treibstoff für die Lageregelung verbrannt wird, desto mehr Ersatz wird benötigt, desto mehr Starts sind nötig, um Konstellationen aufzufüllen, und desto mehr Hardware wird am Lebensende entsorgt.

Die derzeit dominierende Reaktion besteht darin, Satelliten nach Missionsende deorbitalen zu lassen. Der Fahrplan argumentiert, dass dadurch Hardware und kritische Mineralien vernichtet werden, die die Startkosten bereits getragen haben. In diesem Rahmen ist orbitaler Stau nicht nur ein Trümmer- oder Sicherheitsproblem, sondern auch ein Problem des Ressourcenmanagements, das dadurch entsteht, dass man die Raumumgebung als ein Einbahn-Logistiksystem behandelt.

Das vorgeschlagene dreiteilige S2S-Modell

  • Capture, Service und Transport für Betankung, Logistik und Reparatur.
  • Satellitenrecycling, um Trümmer zu bündeln und Materialien zu Rohstoffen zu verarbeiten.
  • In-Space-Manufacturing, um neue Hardware aus orbitalen Materialien zu bauen.