Ein Planet dort, wo er nicht sein sollte
Astronomen haben ein entferntes Planetensystem entdeckt, das eine der etabliertesten Regeln der Planetenbildungstheorie verletzt. Ein felsiger Planet wurde in den äußeren Bereichen seines Sternsystems entdeckt, in einer Region, in der herkömmliche Modelle voraussagen, dass nur Gasriesen existieren sollten. Die Entdeckung zwingt Wissenschaftler, grundlegende Annahmen darüber zu überdenken, wie sich Planeten bilden und innerhalb ihrer Sternsysteme wandern.
Was macht diese Entdeckung ungewöhnlich
Nach dem Standardmodell der core accretion Planetenbildung entstehen felsige Planeten wie die Earth in der Nähe ihrer Muttersterne, wo die Temperaturen hoch genug sind, um zu verhindern, dass flüchtige Gase kondensieren. Gasriesen wie Jupiter und Saturn bilden sich dagegen jenseits der snow line, wo Wassereis und andere Flüchtstoffe ansammeln können und die zusätzliche Masse liefern, die nötig ist, um dicke gasförmige Hüllen anzuziehen.
Der neu entdeckte Planet bricht dieses Muster entscheidend auf. Der Planet liegt weit jenseits der snow line seines Systems und hat eine Zusammensetzung, die zu einer felsigen Welt passt, nicht zu einem Gasriesen. Seine Umlaufentfernung ist mit der Position des Jupiter in unserem Sonnensystem vergleichbar, ihm fehlt aber die massive gasförmige Atmosphäre, die Bildungsmodelle für einen Körper in dieser Position vorhersagen würden.
Mögliche Erklärungen
Astronomen erforschen mehrere Hypothesen zur Erklärung dieser Anomalie. Eine Möglichkeit ist, dass sich der Planet näher bei seinem Stern bildete und durch Gravitationswechselwirkungen mit anderen Körpern im System nach außen geschleudert wurde. Eine andere ist, dass sich der Planet an Ort und Stelle bildete, aber die protoplanetary disk in dieser Region ungewöhnlich gasarm war und dadurch die Ansammlung einer dicken Atmosphäre trotz vorhandenen Festmaterials verhinderte.
Eine dritte, radikalere Erklärung legt nahe, dass aktuelle Planetenbildungsmodelle unvollständig sein könnten. Wenn felsige Planeten in den äußeren Bereichen von Sternsystemen leichter entstehen können als gedacht, hätte dies erhebliche Auswirkungen auf die Suche nach bewohnbaren Welten und würde die Zonen erweitern, in denen erdähnliche Planeten gefunden werden könnten.
Breitere Auswirkungen
Die Entdeckung trägt zu einer wachsenden Fülle von Beweisen bei, dass Planetensysteme viel vielfältiger sind als unser eigenes Sonnensystem vermuten lässt. Jedes neu entdeckte anomale System treibt Theoretiker dazu an, flexiblere und umfassendere Modelle der Planetenbildung zu entwickeln und verbessert letztendlich unser Verständnis dafür, wie Welten wie die Earth entstehen.
Dieser Artikel basiert auf Berichten von ScienceDaily. Lesen Sie den Originalartikel.

