Der Permafrostverlust könnte unter Flüssen schneller voranschreiten, als viele Modelle annehmen

Neue Forschung, die auf der Jahreskonferenz 2026 der Seismological Society of America vorgestellt wurde, legt nahe, dass Flüsse in tauenden Permafrostregionen nicht nur passive Landschaftselemente sind. Sie könnten als lokale Wärmetreiber wirken und den Fortschritt des Auftauens in überfluteten Gebieten um etwa 15 % gegenüber Schätzungen auf Basis konventionellerer Parameter beschleunigen.

Die Arbeit stammt von Haoyuan Sun von der Zhejiang-Universität und Kollegen, die die Permafrostdynamik in Flusskanälen auf dem Qinghai-Tibet-Plateau untersuchten. Ihr zentrales Ergebnis ist sowohl spezifisch als auch folgenreich: Unter Flüssen scheint die saisonal aufgetaute Zone, die sogenannte aktive Schicht, dicker zu sein als erwartet, was auf stärkere und anhaltendere Erwärmungseffekte hindeutet, als Standardannahmen erfassen.

Eine neue Art, unter das Flussbett zu schauen

Um dorthin zu gelangen, nutzten die Forscher verteilte akustische Sensorik, kurz DAS, und griffen dabei auf ein vorhandenes Telekommunikationskabel zurück. DAS verwandelt ein einzelnes Glasfaserkabel in ein dichtes Array seismischer Sensoren und ermöglicht es Wissenschaftlern, den Untergrund mit weit höherer Auflösung zu beobachten als mit herkömmlichen, spärlich verteilten Überwachungssystemen.

Das ist wichtig, weil sich Permafrost unter Flüssen nur schwer direkt beobachten lässt. Viele frühere Studien stützten sich auf verallgemeinerte Annahmen über Wärmefluss statt auf dichte, ortsspezifische Messungen. DAS hingegen lieferte dem Team ein detailliertes Bild des tatsächlichen Auftauzustands unter den Flusskorridoren, ohne dass zahlreiche Bohrlöcher erforderlich waren.

Das Ergebnis war ein klarerer Vergleich zwischen überflutetem und angrenzendem, nicht überflutetem Gelände. Laut dem bereitgestellten Quellentext zeigte sich der Kontrast konsistent, wobei der Flusskorridor als lokal verstärkte Auftauzone hervorstach.