Klimabeobachter konzentrieren sich zunehmend auf die Möglichkeit eines ungewöhnlich starken El Niño

Ein kräftiger El Niño, der sich derzeit im tropischen Pazifik entwickelt, könnte eines der folgenreichsten Klimaereignisse des Jahres werden. New Scientist berichtet, dass einige Wettermodelle inzwischen die Möglichkeit eines sehr starken Ereignisses später im Jahr 2026 anzeigen, möglicherweise des stärksten, das je gemessen wurde. Damit würde das Phänomen in die Kategorie des oft als Super-El-Niño bezeichneten Ereignisses fallen, einer Erwärmung, die Wettermuster über Kontinente hinweg verändern und die globalen Temperaturen auf neue Höchstwerte treiben kann.

Die Warnung ist nicht deshalb bemerkenswert, weil El Niño an sich selten wäre, sondern weil sehr starke Varianten selten sind. New Scientist zufolge traten Super-Ereignisse nur 1982-83, 1997-98 und 2015-16 auf. Diese Episoden sind für weitreichende Störungen in Erinnerung geblieben, darunter Dürre in einigen Regionen und Überschwemmungen in anderen. Ein neues Ereignis ähnlicher oder größerer Stärke wäre daher nicht nur für Klimawissenschaftler wichtig, sondern auch für Regierungen, Landwirte, Versorger, Versicherer und Katastrophenschutzbehörden.

El Niño entsteht, wenn die Passatwinde über dem tropischen Pazifik schwächer werden, wodurch das Aufsteigen kalten Tiefenwassers nachlässt und sich warmes Oberflächenwasser über den zentralen und östlichen Pazifik ausbreiten kann. Auch die atmosphärische Zirkulation verschiebt sich, weshalb ein wärmerer Ozeanbereich Niederschlag, Zugbahnen von Stürmen und Temperaturmuster weltweit verändern kann. Die Schwelle für ein El-Niño-Ereignis ist eine Abweichung der Meeresoberflächentemperatur von 0,5 Grad Celsius im zentralen Pazifik. Ein sehr starkes oder Super-Ereignis erreicht 2 Grad Celsius oder mehr über dem Langzeitdurchschnitt.

Die neuesten Modellsignale sind ungewöhnlich stark

Laut New Scientist führte ein Schub westlicher Winde im März und Anfang April dazu, dass enorme Mengen warmen Wassers in Richtung des zentralen und östlichen Pazifiks gedrückt wurden, was den Boden für ein starkes oder sehr starkes Ereignis bereitete. Modelle des UK Met Office prognostizieren, dass die Abweichung im zentralen Pazifik bis September auf nahezu 2 Grad Celsius steigen könnte. Eine Reihe von Modellen des European Centre for Medium-Range Weather Forecasts soll für Oktober eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent für eine Abweichung von 2,5 Grad anzeigen.

Der US National Weather Service ordnet demgegenüber einem Super-El-Niño bis zum Jahresende eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent zu. Dieser Unterschied nimmt die Sorge nicht. Er zeigt die Unsicherheit, die bleibt, wenn ein so großes System Monate im Voraus prognostiziert wird. Aber die Richtung ist klar genug, um Aufmerksamkeit zu verlangen: Ozean- und Atmosphärensignale ordnen sich so an, dass ein ungewöhnlich starkes Ereignis plausibel erscheint.

Einige Modelle gehen noch weiter. Wie New Scientist berichtet, würde das Ereignis, falls zwei der europäischen Modelle mit für September prognostizierten Abweichungen im zentralen Pazifik von über 3 Grad Celsius richtig liegen, der stärkste je beobachtete El Niño sein. Das ist weiterhin eine bedingte Aussage und keine Vorhersage. Doch schon die Möglichkeit ist bedeutsam, weil sich die Diskussion damit von gewöhnlicher saisonaler Schwankung hin zu einem extremen globalen Klimarisiko verschiebt.