Wasser wo es niemand erwartet
Eine der hartnäckigsten Fragen der Wissenschaft — wohin ist das alte Wasser des Mars gegangen? — könnte eine überraschende neue Antwort haben. Wissenschaftler, die seismische Daten des NASA-Landers InSight analysieren, haben ein anscheinend großes Flüssigwasserreservoir identifiziert, das in tieferem, zerklufteten Gestein tief unter der Marsoberfläche in Tiefen von 10 bis 20 Kilometern eingeschlossen ist. Falls bestätigt, würde die Entdeckung das größte bekannte Wasserreservoir auf dem Mars darstellen und würde das wissenschaftliche Denken über das Potenzial des Planeten, mikrobielles Leben zu beherbergen, sei es in seiner Vergangenheit oder möglicherweise in seiner Gegenwart, grundlegend verändern.
Die Marsoberfläche ist heute völlig trocken — eine eiskalte Wüste, in der jedes der dünnen Atmosphäre ausgesetzte Flüssigwasser sofort gefrieren oder verdampfen würde. Aber Planetenwissenschaftler vermuten schon lange, dass das Wasser, das einst Marseen, Flüsse und möglicherweise sogar einen nördlichen Ozean füllte, nicht einfach ins All verschwunden ist. Die neuen Befunde deuten darauf hin, dass zumindest ein Teil dieses Wassers nach unten gesickert ist und nun in Tiefen als Flüssigkeit verbleibt, in denen die Geothermie des Planeteninneren Temperaturen über dem Gefrierpunkt aufrechterhält, trotz der kalten Marsoberfläche.
Wie die Entdeckung gemacht wurde
Der Beweis stammt von seismischen Wellen, die von InSights empfindlichem Seismometer während Marsbeben — dem Marsäquivalent von Erdbeben — aufgezeichnet wurden. Wenn seismische Wellen durch verschiedene Arten von Gestein und Flüssigkeit wandern, ändern sie ihre Geschwindigkeit auf charakteristische Weise. Das in InSights Daten erkannte Muster — eine spezifische Dämpfungssignatur bei bestimmten Wellentypen — ist konsistent mit seismischen Wellen, die eine Schicht von wassergesättigtem zerklufteten Gestein durchdringen, anstatt trockenes Magmatit- oder Sedimentgestein.
Die Analyse verwendete Techniken, die ursprünglich zur Untersuchung der Erdkruste entwickelt und für die schwierige Signalumgebung des Mars verfeinert wurden, wo sich die Datenqualität von InSight im Laufe der Zeit verschlechterte, als sich Staub auf seinen Sonnenkollektoren ansammelte. Die Forscher berichten von hoher Zuversicht bei der Erkennung, erkennen aber an, dass die indirekte Natur der seismischen Schlussfolgerung bedeutet, dass die Entdeckung eine Bestätigung durch zukünftige Missionen benötigt, bevor sie als bestätigt betrachtet werden kann.
Die Tiefe des Reservoirs — 10 bis 20 Kilometer — liegt weit jenseits der Reichweite jeglicher derzeitigen Bohrtechnologie auf dem Mars. Die tiefste Bohrung, die jemals auf der Erde versucht wurde, die russische Kola-Supertiefbohrung, erreichte nach mehr als 20 Jahren Bemühungen eine Tiefe von 12 Kilometern. Das hypothetische Marswasser zu erreichen würde Technologie erfordern, die derzeit in keinem geplanten Marsmissionsprogramm vorhanden ist.



