SpaceX’ Börsendebüt könnte mit ungewöhnlich strengen Regeln kommen

Der lange erwartete Börsengang von SpaceX zeichnet sich als mehr als nur ein finanzieller Meilenstein ab. Laut einem von Ars Technica zitierten Bericht würden die Unterlagen zur IPO-Registrierung dem Unternehmen nach dem Börsengang Elon Musk weitreichende Kontrolle geben und zugleich die Möglichkeiten der Anleger, das Management anzufechten, stark begrenzen.

Die berichtete Struktur kombiniert mehrere Governance-Instrumente, die in Teilen der amerikanischen Unternehmenswelt bereits bekannt sind, doch hier wird beschrieben, dass sie in besonders wirksamer Weise zusammen eingesetzt werden. Reuters, dessen Berichterstattung Ars zusammenfasste, schrieb, dass die Einreichung Supervoting-Aktien, verpflichtende Schiedsverfahren, strengere Grenzen für Aktionärsanträge und das Unternehmensrecht von Texas nutzt, um die Kontrolle durch Insider zu sichern und typische Aktionärsschutzrechte zu reduzieren.

Das Ergebnis wäre, falls es wie berichtet umgesetzt wird, ein börsennotiertes Unternehmen, bei dem gewöhnliche Anleger am Wachstum von SpaceX teilhaben, dafür aber ungewöhnlich enge Möglichkeiten akzeptieren müssten, Unternehmensentscheidungen anzufechten.

Wie die Kontrolle erhalten bliebe

Der zentrale Mechanismus ist die Stimmrechtsmacht. Ars Technica berichtete, dass Musk derzeit 42,5 % des Eigenkapitals von SpaceX und 83,8 % der Stimmrechte hält und nach dem Börsengang mehr als 50 % der Stimmrechte behalten würde. Damit würde SpaceX nach den Wertpapierregeln als kontrolliertes Unternehmen gelten.

Der Status als kontrolliertes Unternehmen ist wichtig, weil er die Pflicht verringern kann, bestimmte Governance-Normen einzuhalten, die an anderen Stellen an den öffentlichen Märkten erwartet werden. Reuters berichtete, dass SpaceX nicht die übliche Anforderung erfüllen müsste, wonach unabhängige Direktoren die Mehrheit der Nominierungs- und Vergütungsausschüsse bilden. Musk soll außerdem sowohl CEO als auch Vorstandsvorsitzender sein und damit operative und Aufsichtsmacht in einer Person bündeln.

Die von Reuters beschriebenen Auszüge gehen noch weiter. Musk hätte demnach die Macht, Vorstandsmitglieder zu wählen, zu entfernen oder Vakanzen zu besetzen, sowie andere zustimmungspflichtige Fragen zu kontrollieren, einschließlich Fusionen und Übernahmen. Dieses Maß an Autorität würde die Unternehmensführung selbst nach den Maßstäben von Gründer-geführten börsennotierten Firmen stark zentralisieren.