Ein großer Schritt hin zu billigeren Waffen für Massenangriffe
Die US-Luftwaffe treibt einen Plan voran, in den kommenden fünf Jahren fast 28.000 kostengünstigere Marschflugkörper zu kaufen. Das Signal für den Umfang ist womöglich wichtiger als jedes einzelne Waffendesign. Laut The War Zone stützen neue Rahmenvereinbarungen des Pentagons mit Anduril, CoAspire und Zone 5 das Programm Family of Affordable Mass Missiles, kurz FAMM, das mehrere Arten luftgestützter Stand-off-Waffen zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher High-End-Marschflugkörper in den Einsatz bringen soll.
Schon die Zahlen machen das Vorhaben bemerkenswert. Ein Beschaffungsziel von rund 28.000 Munitionen deutet darauf hin, dass die Luftwaffe erschwingliche Masse nicht als Nischenzusatz betrachtet. Sie versucht, kostengünstigere Marschflugkörper zu einer Kernkategorie ihres Bestands zu machen. Das verweist auf eine Beschaffungslogik, die von Abnutzung, Munitionsvorräten und der Notwendigkeit geprägt ist, in einem Konflikt mit hoher Intensität große Angriffsmengen aufrechterhalten zu können.
Die Pressemitteilung des Pentagons, wie von The War Zone zitiert, stellte die Vereinbarungen als Weg dar, die Validierung einer neuen Familie kostengünstiger, luftgestützter Marschflugkörper zu beschleunigen. Die Formulierung ist aufschlussreich. FAMM ist kein einzelner Raketenauftrag. Es ist ein Portfolio-Ansatz mit mehreren Industriepartnern und mehreren Raketenvarianten unter einem Dach.
Wie die FAMM-Familie aufgebaut ist
Die Luftwaffe plant, im Rahmen des Programms unterschiedliche Varianten zu beschaffen. Dazu gehören Ausführungen mit Trägeraufhängung, bekannt als FAMM-L, für die direkte Mitnahme an Flugzeug-Hardpoints, sowie palettisierte Versionen, FAMM-P, die mit palettierten Munitionssystemen aus Transportflugzeugen abgeworfen werden sollen. Außerdem verfolgt der Dienst erweiterte FAMM-BAR-Designs, wobei BAR für “Beyond Adversary’s Reach” steht.

Diese Mischung ist wichtig, weil sie sowohl die Plattformoptionen als auch die Einsatzkonzepte erweitert. Eine Raketenfamilie, die konventionell mitgeführt oder aus Transportflugzeugen eingesetzt werden kann, verändert die Art und Weise, wie Schlagkraft erzeugt werden kann. Sie erweitert potenziell die Zahl der Flugzeuge, die zu Stand-off-Angriffen beitragen können, und gibt Planern mehr Möglichkeiten, die Startfähigkeit zu verteilen.
Die im Bericht zitierte Haushaltsformulierung unterstreicht, dass das Vorhaben über reine Konzeptarbeit hinausgeht. Für das Haushaltsjahr 2027 beantragt die Luftwaffe 55 Millionen Dollar an frei verfügbaren Mitteln und 300 Millionen Dollar an verpflichtenden Reconciliation-Mitteln für FAMM, um 1.000 komplette Waffen inklusive palettierter und mit Trägeraufhängung versehener Varianten zu beschaffen. Schon in diesem frühen Produktionsabschnitt wird das Programm also in einer Weise finanziert, die eher auf Skalierung als auf bloßes Experimentieren hindeutet.
Warum das Pentagon erschwingliche Masse will
Die strategische Idee hinter FAMM ist einfach: Teure Präzisionswaffen sind wirkungsvoll, aber sie reichen zahlenmäßig nicht immer für einen langen, intensiven Kampf aus. Wenn die Luftwaffe mit umkämpfter Luftverteidigung und über große Distanzen verteilten Zielen rechnen muss, werden kostengünstigere Stand-off-Waffen attraktiv, nicht weil sie Premium-Marschflugkörper in jeder Rolle ersetzen, sondern weil sie Volumen überhaupt erst möglich machen.
Diese Logik ist in der US-Verteidigungsplanung zunehmend sichtbar geworden. The War Zone weist darauf hin, dass einige derselben Unternehmen im Mai Rahmenvereinbarungen für ein separates Vorhaben erhielten, bis 2029 im Rahmen des Programms Low-Cost Containerized Missiles 10.000 kostengünstigere bodengestützte Marschflugkörper zu beschaffen. Zusammen betrachtet deuten die luft- und bodengestützten Vorhaben auf einen breiteren Vorstoß des Pentagons hin, die schiere Zahl der Raketen wieder als Planungsstärke zu etablieren.

Der in der Pentagon-Erklärung betonte Ansatz mit „industriegetriebenen Lösungen“ und flexibler Vergabe deutet auch darauf hin, dass das Ministerium die Distanz zwischen der Entwicklungsgeschwindigkeit im kommerziellen Stil und dem Beschaffungsumfang des Militärs verringern will. Wenn das gelingt, könnte sich die Zeit vom Prototypenverbund bis zu validierten Produktionslinien verkürzen. Die Herausforderung wird wie immer sein, ob die Niedrigkosten-Versprechen tragen, wenn Beschaffung, Integration und Instandhaltung ausgereift sind.
Was das für die US-Luftmacht ändern könnte
Wenn FAMM wie geplant entwickelt wird, reicht seine Bedeutung über reine Bestandszahlen hinaus. Ein großer Vorrat erschwinglicher luftgestützter Marschflugkörper könnte beeinflussen, wie die Luftwaffe Zielmengen, den Einsatz von Flugzeugen und das Kampagnentempo betrachtet. Er könnte auch stärker verteilte Startkonzepte unterstützen, falls palettisierte Systeme auf Basis von Transportflugzeugen operativ glaubwürdig werden.
Es bleiben allerdings große Unbekannte. Das Ausgangsmaterial nennt weder, welche konkreten Raketenentwürfe sich durchsetzen werden, noch wie sich die Stückkosten der Varianten unterscheiden oder wie sich die Leistung gegenüber teureren Waffen einpendeln wird. Diese Fragen sind wichtig. Erschwingliche Masse verändert die Strategie nur dann, wenn die Waffen ausreichend überlebensfähig, produzierbar und operativ nützlich sind.
Dennoch ist die politische Richtung bereits klar. Das Pentagon signalisiert kein Interesse mehr an billigen Stand-off-Munitionen als bloßem Experiment. Es baut Vertragsstrukturen auf der Annahme auf, dass die Menge selbst eine operationelle Anforderung ist. In dieser Hinsicht könnte FAMM eines der bislang deutlichsten Anzeichen dafür sein, dass die US-Planung der Luftmacht ebenso stark um Skaleneffekte wie um die Jagd nach besonders anspruchsvollen Fähigkeiten neu geordnet wird.
- Die Luftwaffe will im Rahmen von FAMM in fünf Jahren fast 28.000 kostengünstige Marschflugkörper kaufen.
- Das Programm umfasst Varianten mit Trägeraufhängung, palettierte Versionen und Versionen mit erweiterter Reichweite.
- Neue Rahmenvereinbarungen des Pentagons deuten darauf hin, dass erschwingliche Masse zu einer zentralen Priorität der Einsatzplanung wird.
Dieser Artikel basiert auf einem Bericht von twz.com. Hier den Originalartikel lesen.
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