Armee startet Suche nach Kurzstreckenrakete für hohe Stückzahlen
Die US-Armee sucht eine neue Kurzstreckenrakete und will, dass die Industrie zeigt, dass sie langfristig bis zu 8.000 Stück pro Jahr liefern kann, so der bereitgestellte Quellentext, der eine Aufforderung zur Interessenbekundung zusammenfasst. Die Anforderung geht über ein gewöhnliches Beschaffungsvorhaben hinaus. Sie spiegelt einen breiteren Vorstoß wider, die Munitionskapazität auszubauen, die Kompatibilität mit bestehenden Startsystemen zu erhalten und Waffen einzuführen, die in stärker umkämpften Umgebungen operieren können.
Die vom Heer beschriebene Rakete ist in Rolle und Leistung dem AGM-114 Hellfire und der Joint Air-to-Ground Missile, also JAGM, ähnlich. Die Bekanntmachung fordert eine Waffe, die sich mit bemannten und unbemannten Luft-, Land- und Wasserplattformen im Verbundbetrieb über einen M299-Launcher oder ein gleichwertiges System integrieren lässt. Diese Kompatibilitätsanforderung ist wichtig, weil sie die Einstiegshürde senkt: Das Heer fordert nicht nur ein neues Raketenkonzept, sondern eines, das sich in bereits um bestehende Starttechnik herum aufgebaute operative Ökosysteme einfügen kann.
Antworten der Industrie sind laut Quellentext bis zum 15. September fällig. Der Zeitplan deutet darauf hin, dass die Armee zügig nach realistischen Lieferanten sucht, statt eine lange Explorationsphase abzuwarten.
Was die Armee will
Das in der Bekanntmachung beschriebene Leistungsprofil entspricht ziemlich genau den aktuellen Gefechtsfeldanforderungen an eine flexible taktische Waffe. Die Rakete soll eine Mindestreichweite von 500 Metern und eine Maximalreichweite von 8.000 Metern oder mehr haben. Erwartet wird der Einsatz gegen ein breites Zielspektrum, darunter schwere und leichte gepanzerte Kettenfahrzeuge, Führungs- und Kontrollknoten, Radargeräte der Flugabwehrartillerie, Anti-Drohnen-Systeme und kleine maritime Schnellangriffsziele.
Diese Zielgruppe sagt viel darüber aus, wie das Heer zukünftige Konflikte einordnet. Es handelt sich nicht um eine reine Panzerabwehrforderung für eine einzelne Mission. Gefordert wird eine Mehrzweck-Präzisionsmunition, die Einsätze an Land, in der Luft und in Küstengewässern unterstützen kann und sowohl gegen ältere Plattformen als auch gegen neuere Bedrohungen wie unbemannte Systeme nützlich bleibt.
Die Bekanntmachung verlangt außerdem, dass die Rakete unter Störung und GPS-Verweigerung funktioniert. Dieses Detail ist in der modernen Waffenkonstruktion zunehmend zentral. Präzisionsmunition, die zu stark von sauberen elektromagnetischen Bedingungen abhängt, stößt in Einsatzräumen an Grenzen, in denen ein Gegner Navigation und Zielerfassung voraussichtlich stören, täuschen oder beeinträchtigen wird. Mit der Vorgabe für Leistung unter Interferenz macht das Heer klar, dass Resilienz zum Grundanforderungsprofil gehört und kein optionales Upgrade ist.
Produktionskapazität ist Teil des Wettbewerbs
Ebenso wichtig wie das taktische Profil der Rakete ist der Fokus der Armee auf industrielle Einsatzbereitschaft. Auftragnehmer sollen bis Ende 2028 über fertige Fertigungs- und Zulieferkapazitäten verfügen. Die erste Lieferung von bis zu 8.000 Raketen soll innerhalb von zwei Jahren nach Vertragsvergabe abgeschlossen werden, gefolgt von jährlichen Bestellungen von bis zu 8.000 Raketen pro Jahr.
Der Quellentext unterstreicht den Ernst dieser Anforderung. Interessierte Unternehmen müssen nachprüfbare Belege dafür vorlegen, dass sie die geforderten Mengen innerhalb der vorgegebenen Vorlaufzeiten produzieren, testen und liefern können, und sie müssen bestätigen, dass sie eine aktive, qualifizierte und operative Produktionslinie verwenden.
Diese Formulierung verortet das Vorhaben klar im Kontext von Munitionsknappheit und Versorgungsdruck. Das Heer bewertet nicht nur technische Vorschläge, sondern prüft, ob Hersteller die Produktion im großen Maßstab aufrechterhalten können. In den vergangenen Jahren stand die Verteidigungsindustrie unter Druck, die Produktion wichtiger Waffen und Munition zu erhöhen und zugleich Engpässe bei Zulieferern, Komponenten und Endmontage zu vermeiden. Diese Bekanntmachung deutet darauf hin, dass das Heer weniger Papierzusagen und mehr Beweise dafür will, dass Fabriken tatsächlich liefern können.
Warum die Kompatibilität mit dem Launcher wichtig ist
Die Anforderung an den M299-Launcher gibt einen Hinweis auf das vom Heer angestrebte Gleichgewicht zwischen Geschwindigkeit und Flexibilität. Der M299 ist dafür ausgelegt, Waffen der Hellfire- und JAGM-Familie abzufeuern, und kann an Hubschraubern wie Apache, Cobra und Seahawk ebenso montiert werden wie an Drohnen und sogar an containerisierten Anlagen. Durch die Beibehaltung einer vertrauten Schnittstelle kann das Heer die Zahl der Plattformen erweitern, die die Rakete nutzen können, ohne die Startarchitektur grundlegend neu gestalten zu müssen.
Dieser Ansatz kann Integrationszeiten verkürzen und das Umstellungsrisiko senken. Er unterstützt auch das erklärte Interesse der Armee an Joint- und Multi-Domain-Operationen, weil kompatible Raketen leichter zwischen Teilstreitkräften und Plattformtypen wechseln können. Eine Waffe, die bemannte Flugzeuge, unbemannte Systeme, Bodenfahrzeuge und Wasserplattformen bestücken kann, ist in einem Umfeld, in dem Kommandeure austauschbarere Wirkungen und schnellere Anpassung an Missionsänderungen wollen, offensichtlich attraktiv.
Hintergrund: Hellfire, JAGM und ein verändertes Nachfrage-Signal
Die Anforderung erinnert an Fähigkeiten, die mit zwei weit verbreiteten Raketenfamilien verbunden sind. Die Hellfire, erstmals in den 1970er Jahren als von Hubschraubern gestartete Panzerabwehrwaffe entwickelt, wird heute von mehr als 30 Ländern eingesetzt. Die Hellfire II nutzt halbaktive Laserlenkung. JAGM, das in einigen Rollen Hellfire, TOW und Maverick ersetzen soll, verwendet Laser- und Millimeterwellen-Suchköpfe und erreichte laut Quellentext 2022 die anfängliche Einsatzfähigkeit.
Der Schritt der Armee muss nicht unbedingt Unzufriedenheit mit diesen Systemen bedeuten. Er könnte vielmehr darauf hindeuten, dass Nachfrage, operative Erfordernisse und Produktionsplanung eine engere Beschaffungsperspektive überholt haben. Lockheed Martin hat mehr als 145.000 Hellfire- und JAGM-Raketen produziert und erhielt im August 2025 einen Vertrag über 720 Millionen Dollar für beide Raketen für US- und alliierte Käufer. Diese Historie zeigt einen etablierten Markt und eine ausgereifte Waffenklasse. Die neue Bekanntmachung deutet darauf hin, dass die Armee zusätzliche Optionen, zusätzliche Kapazität oder beides will.
Ein Signal an Industrie und Verbündete
Selbst in ihrer frühen Form sendet die Anforderung eine klare Botschaft an die Raketenhersteller: Die Armee priorisiert skalierbare, resiliente und plattformflexible Präzisionswaffen. Sie signalisiert auch, dass künftiger Wettbewerb ebenso stark von Fertigungsglaubwürdigkeit wie von Suchkopfdesign, Antrieb oder Gefechtskopfkonfiguration abhängen wird.
Diese Botschaft reicht über den US-Markt hinaus. Da Hellfire- und JAGM-Klasse-Raketen bereits von Verbündeten genutzt werden, könnte jede Ausweitung kompatibler Produktion auch für Partner relevant sein, die interoperable Waffen und verlässlichere Versorgung suchen. Die Bekanntmachung verspricht noch keinen konkreten Gewinner oder Beschaffungsweg, aber sie umreißt die industrielle und gefechtsfeldbezogene Leistung, die das Heer nun erwartet.
In diesem Sinne ist die vielleicht wichtigste Zahl der Ankündigung nicht Reichweite oder Nutzlast, sondern 8.000. Sie fasst das Ausmaß des Anspruchs der Armee zusammen: nicht einfach eine weitere taktische Rakete einzuführen, sondern sicherzustellen, dass eine entscheidende Klasse von Präzisionswaffen in den Volumina produziert werden kann, die die Planung moderner Konflikte zunehmend verlangt.
Dieser Artikel basiert auf einer Berichterstattung von Defense News. Den Originalartikel lesen.
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