Ein Direktkauf wird nicht weiterverfolgt
Deutschland hat Pläne aufgegeben, Boeings kollaboratives Kampfflugzeug MQ-28 Ghost Bat direkt zu beschaffen. Die Entscheidung könnte Deutschlands Bemühungen, unbemannte Kampfflugzeuge neben bemannten Jets einzusetzen, über das Ende des Jahrzehnts hinaus verschieben.
Boeing bestätigte gegenüber Breaking Defense, dass das deutsche Verteidigungsministerium dem Unternehmen mitgeteilt habe, es werde keine direkte Beschaffung der größeren Block-3-Version des Flugzeugs verfolgen. Die zunächst von Politico gemeldete Entscheidung beseitigt einen Weg, der wie eine schnelle Einführung der unbemannten Plattform in den deutschen Dienst ausgesehen hatte.
Die Änderung bedeutet nicht zwangsläufig, dass die MQ-28 nicht mehr berücksichtigt wird. Deutschland scheint sich vielmehr einem breiteren Beschaffungsansatz zuzuwenden, bei dem konkurrierende Flugzeuge ihre Fähigkeiten demonstrieren können, bevor eine Auswahl getroffen wird.
Dieser Unterschied ist wichtig. Eine Direktbeschaffung hätte Geschwindigkeit und einen bekannten Kandidaten priorisiert. Ein Wettbewerb könnte Berlin mehr Optionen und größere Möglichkeiten zur Gestaltung der Anforderungen bieten, bringt aber auch Fragen zu Zeit, Bewertung und Industriepolitik mit sich, die ein Programm verlängern können.
Was die Ghost Bat leisten soll
Die MQ-28 ist ein kollaboratives Kampfflugzeug und wird häufig als System vom Typ „Loyal Wingman“ beschrieben. Solche Flugzeuge sollen mit bemannten Jets zusammenarbeiten, die Aufklärung erweitern, Nutzlasten tragen oder Aufgaben übernehmen, die einen menschlichen Piloten und ein wertvolles bemanntes Flugzeug größeren Risiken aussetzen würden.

Das deutsche Interesse an der Ghost Bat spiegelte den breiteren Trend wider, bemannte Kampfjets mit immer leistungsfähigeren unbemannten Flugzeugen zu verbinden. Es geht nicht nur darum, Drohnen in den Bestand aufzunehmen. Im Mittelpunkt steht die Integration autonomer oder ferngesteuerter Flugzeuge in Gefechtsformationen, sodass die unbemannten Systeme zu einer größeren Mission beitragen, statt als isolierte Plattformen zu operieren.
Dem Bericht zufolge war der Direktkauf mit dem Ziel verbunden, solche Flugzeuge vor 2029 zu besitzen. Nachdem dieser Weg aufgegeben wurde, dürfte ein breiterer Wettbewerb um die Fähigkeit zu kollaborativen Kampfflugzeugen länger dauern.
Rückschlag für die Zusammenarbeit von Boeing und Rheinmetall
Die Entscheidung ist auch ein Rückschlag für Boeings Bemühungen, die in Australien entwickelte MQ-28 für Deutschlands neuen Bedarf zu positionieren. Anfang dieses Jahres kündigten Boeing und Rheinmetall, Deutschlands größter Rüstungskonzern, eine Partnerschaft an, um das Flugzeug an die Anforderungen der Bundeswehr anzupassen.
Rheinmetall-Chef Armin Papperger sagte damals, die Partnerschaft solle eine Grundlage dafür schaffen, die MQ-28 anzupassen, zu integrieren, zu betreiben und weiterzuentwickeln. Dadurch solle die industrielle Wertschöpfung in Deutschland und Europa gestärkt werden. Er sprach von möglichen Einnahmen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Die Partnerschaft bleibt relevant, weil die Entscheidung gegen den Direktkauf die Tür für die Ghost Bat selbst offenbar nicht schließt. Boeings Flugzeug könnte weiterhin antreten, wenn Deutschland ein breiteres Auswahlverfahren startet. Das Unternehmen steht nun jedoch vor einem unsichereren und wahrscheinlich längeren Wettbewerb statt vor einem zeitnahen Direktverkauf.
Geschwindigkeit versus Wettbewerb
Der politische Kurswechsel verdeutlicht einen wiederkehrenden Zielkonflikt bei Rüstungsbeschaffungen. Eine Direktbeschaffung kann die Lieferung beschleunigen, wenn eine Regierung ein gewünschtes System identifiziert hat und bereit ist, die verfügbare Konfiguration, den Zeitplan und die Lieferbedingungen zu akzeptieren. Ein Wettbewerb kann zu einer besser passenden Lösung oder einer stärkeren industriellen Beteiligung führen, erfordert aber gewöhnlich mehr Zeit für die Definition der Anforderungen, die Bewertung der Optionen und die endgültige Vergabe.

Deutschlands Entscheidung scheint den zweiten Weg zu bevorzugen. Dadurch könnten weitere Entwürfe in die Diskussion gelangen, und Berlin könnte umfassender abwägen, wie ein unbemanntes Kampfflugzeug zu seinen operativen Bedürfnissen, industriellen Prioritäten und zur breiteren europäischen Verteidigungslandschaft passen würde.
Offen bleiben auch zentrale Fragen, die die vorliegenden Informationen nicht beantworten: Wann wird Deutschland sein überarbeitetes Verfahren vorstellen, welche Flugzeuge werden zur Teilnahme eingeladen und wann könnte eine endgültige Entscheidung fallen? Klar ist, dass der frühere Zeitplan nun infrage steht.
Warum die Entscheidung wichtig ist
Kollaborative Kampfflugzeuge werden zu einem bedeutenden Entwicklungsfeld der militärischen Luftfahrt. Deutschlands Weg zu dieser Fähigkeit wird sowohl seine eigene Streitkräfteplanung als auch den industriellen Wettbewerb um unbemannte Systeme beeinflussen. Eine verzögerte Auswahl bedeutet, dass die Bundeswehr länger warten könnte, bis solche Flugzeuge neben ihrer bemannten Flotte eingesetzt werden.
Für Boeing und Rheinmetall besteht die nächste Aufgabe darin, die Bedeutung der MQ-28 in einem offeneren Wettbewerb zu erhalten. Für Deutschland geht es darum, den Wunsch nach einer schnellen Wiederaufrüstung mit den Vorteilen einer wettbewerbsfähigeren und stärker zugeschnittenen Beschaffungsstrategie auszubalancieren.
Das unmittelbare Ergebnis ist begrenzt, aber folgenreich: Berlin wird die Ghost Bat nicht schnell direkt kaufen. Sein künftiges Programm für kollaborative Kampfflugzeuge dürfte nun in einem längeren Verfahren entschieden werden, wobei sich der Zeitpunkt der endgültigen Einführung wahrscheinlich weiter nach hinten verschiebt.
Dieser Artikel basiert auf Berichten von twz.com. Originalartikel lesen.
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