Ein vorläufiger Befund in einem wenig erforschten Bereich

Frauen mit bipolarer Störung, die von regelmäßigen Menstruationszyklen berichten, melden möglicherweise auch häufiger starke prämenstruelle Symptome. Das geht aus vorläufigen Forschungsergebnissen hervor, die auf dem ECNP-Kongress 2026 in München vorgestellt wurden. Der Befund beweist nicht, dass regelmäßige Zyklen stärkere Symptome verursachen. Er verweist jedoch auf eine klinische Frage, die nach Ansicht der Forschenden mehr Aufmerksamkeit verdient: Werden die Bedürfnisse der reproduktiven Gesundheit bei Frauen mit schweren psychischen Erkrankungen ausreichend berücksichtigt?

Die Studie wurde von Forschenden in Norwegen mit internationalen Kooperationspartnern geleitet und befragte 267 Frauen im gebärfähigen Alter mit bipolarer Störung. 62 % der Teilnehmerinnen berichteten von regelmäßiger Menstruation, 38 % von unregelmäßiger Menstruation.

Bei den Frauen mit regelmäßigen Zyklen stellten die Forschenden häufiger gemeldete Symptome während der prämenstruellen Phase fest. Dazu gehörten Reizbarkeit, Wut, Beziehungsschwierigkeiten und körperliche Symptome. Teilnehmerinnen mit regelmäßiger Menstruation berichteten außerdem häufiger von Belastungen oder Beeinträchtigungen bei Arbeit, Aktivitäten oder Beziehungen während jeder oder fast jeder prämenstruellen Phase im vorangegangenen Jahr.

Warum das Ergebnis wichtig ist

Eine bipolare Störung umfasst depressive Episoden sowie Phasen mit gehobener oder gereizter Stimmung und Zeiten mit wenigen oder keinen Symptomen. Der Zusammenhang zwischen der Störung und hormonellen Veränderungen wurde vergleichsweise wenig untersucht, obwohl Menstruationssymptome den Alltag und die psychiatrische Versorgung erschweren können.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass viele Frauen mit bipolarer Störung irgendeine Form prämenstrueller Beschwerden erleben. Dazu können die prämenstruellen Symptome selbst oder eine prämenstruelle Verschlechterung bipolarer Symptome gehören. Dennoch ist die reproduktive psychische Gesundheit von Frauen mit schweren psychischen Erkrankungen weiterhin unzureichend erforscht.

Die neue Befragung ergänzt diese Forschungslücke um weitere Details. Ein regelmäßiger Zyklus kann zunächst beruhigend wirken. In dieser Stichprobe war eine regelmäßige Menstruation jedoch mit einer höheren berichteten Belastung durch wiederkehrende prämenstruelle Symptome verbunden. Die Arbeit stellt daher die Annahme infrage, dass die Regelmäßigkeit des Zyklus allein zeigt, wie gut eine Person mit hormonell bedingten Symptomen zurechtkommt.

Da die Forschung vorläufig ist und auf Umfrageantworten beruht, sollte sie nicht zur Vorhersage der Erfahrung einer einzelnen Patientin verwendet werden. Sie liefert jedoch einen Grund für Ärztinnen, Ärzte und Forschende, gezielter nach dem Zeitpunkt der Menstruation, prämenstruellen Symptomen und deren Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit zu fragen.

Fragen zur hormonellen Verhütung

Die Studie stellte außerdem einen Unterschied bei den Erfahrungen mit Verhütungsmitteln fest. Frauen mit regelmäßigen Zyklen verwendeten seltener hormonelle Verhütungsmittel als Frauen mit unregelmäßigen Zyklen. Insgesamt hatten 93 % der Teilnehmerinnen irgendwann hormonelle Verhütungsmittel ausprobiert. Ein größerer Anteil der Frauen mit regelmäßiger Menstruation hatte die Anwendung jedoch wegen Nebenwirkungen beendet und zeigte mehr Zurückhaltung gegenüber Hormonen.

Die leitende Forscherin, Dr. Sofie Ragnhild Aminoff vom Universitätsklinikum Oslo, bezeichnete das Ergebnis als unerwartet. Ihrer Aussage zufolge wirft es die Frage auf, ob einige Frauen mit bipolarer Störung besonders empfindlich auf hormonelle Verhütungsmittel reagieren, während andere möglicherweise davon profitieren könnten.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Die Befragung zeigt nicht, dass hormonelle Verhütungsmittel Nebenwirkungen verursacht haben, und sie legt auch nicht fest, welche Patientinnen von einer bestimmten Behandlung profitieren oder geschädigt werden könnten. Sie erkennt vielmehr Muster in einer Gruppe von Teilnehmerinnen und unterstreicht den Bedarf an gezielterer Forschung.

Auswirkungen auf Versorgung und Forschung

Die praktische Botschaft lautet nicht, dass Frauen mit bipolarer Störung hormonelle Verhütung vermeiden sollten oder dass regelmäßige Zyklen grundsätzlich ein Warnsignal sind. Behandlungsentscheidungen erfordern eine individuelle Diskussion über Symptome, frühere Erfahrungen, Krankengeschichte und Verhütungsbedarf.

Vielmehr deutet die Studie darauf hin, dass gynäkologische und psychiatrische Versorgung enger miteinander verbunden werden müssen. Fragen zu prämenstruellen Symptomen können Ärztinnen und Ärzten helfen, Zeiten zu erkennen, in denen Reizbarkeit, körperliche Beschwerden oder Belastungen in Beziehungen besonders störend werden. Die Aufzeichnung des Auftretens der Symptome kann außerdem helfen, ein wiederkehrendes prämenstruelles Muster von anderen Stimmungsschwankungen zu unterscheiden.

Die Ergebnisse unterstreichen auch die Bedeutung von Studien, die speziell auf reproduktive psychische Gesundheit ausgerichtet sind. Eine bipolare Störung betrifft schätzungsweise 1 bis 2 % der Frauen, von denen viele im gebärfähigen Alter sind. Bessere Daten könnten klären, wie Menstruationsmuster, Hormonbehandlungen und Stimmungssymptome zusammenwirken und ob verschiedene Patientinnengruppen unterschiedliche Ansätze benötigen.

Vorerst bleibt das Ergebnis ein frühes Signal aus einer auf einem wissenschaftlichen Kongress vorgestellten Befragung. Sein Wert liegt darin, eine Gruppe zu identifizieren, deren Erfahrungen übersehen werden könnten, wenn psychische Gesundheit und gynäkologische Versorgung als getrennte Bereiche behandelt werden.

Dieser Artikel basiert auf einer Berichterstattung von Medical Xpress. Originalartikel lesen.

Originally published on medicalxpress.com