Ein Kultfilm ist zu einem ernsthaften Bühnenereignis geworden
In einer Broadway-Saison voller Bühnenfassungen bekannter Titel fällt The Lost Boys: A New Musical nicht nur auf, weil es eine beliebte 80er-Jahre-Vorlage aufgreift, sondern weil es dieses Ausgangsmaterial als etwas Ehrgeizigeres behandelt als ein bloßes Augenzwinkern für Fans. Die neue Adaption von Joel Schumachers Kult-Vampirfilm wird in der zugrunde liegenden Kritik als Produktion beschrieben, die das Staunen des Live-Theaters einfängt und zugleich das eigentümliche tonale Gleichgewicht des Films in eine Bühnenform übersetzt, die funktioniert.
Das ist keine kleine Aufgabe. Der Originalfilm mischte blutigen Horror, ernstes Familiendrama, breiten Humor, Camp-Exzess und eine Bande motorradfahrender Teenager-Vampire. Das ist genau die Art von Stoff, die bei einer Wiederaufnahme leicht in Selbstparodie kippen kann. Laut der Kritik nimmt das Musical diesen leichten Weg nicht. Stattdessen liegt es näher an der Tonalität von Little Shop of Horrors als an einer offen respektlosen Parodie.
Dieser Unterschied ist wichtig. Er deutet darauf hin, dass die Show weniger daran interessiert ist, ihre Herkunft zu verspotten, als sie zu erweitern.
Wie die Adaption die Geschichte neu formt
Die Bühnenfassung behält die vertraute Ausgangslage bei: Eine Mutter und ihre zwei Teenagersöhne kommen in Santa Carla, Kalifornien, an und hoffen auf einen Neuanfang, nur um festzustellen, dass zu den Gefahren der Stadt eine Gang junger Vampire gehört. Doch die Kritik sagt, dass das Buch von Chris Hoch und David Hornsby die Erzählung für alle drei Familienmitglieder sowie für David, den charismatischen Vampir im Zentrum der Bedrohung, vertieft.
Genau diese Art von Figurenentwicklung brauchen Screen-to-Stage-Adaptionen oft. Ein Film kann auf Atmosphäre, Schnitt und Ikonografie setzen, um nur grob angelegte Figuren zu tragen. Ein Musical kann das in der Regel nicht. Es braucht eine emotionale Logik, die stark genug ist, um Songs, Übergänge und wiederholte Konfrontationen mit der Aufmerksamkeit des Publikums zu tragen. Indem die Produktion mehr vom Ensemble ausarbeitet, verschafft sie sich offenbar eine stärkere dramatische Basis.
Die Songs von The Rescues werden als Mittel beschrieben, das die tonalen Verschiebungen glättet, die den Film ausmachten. Das dürfte einer der wichtigsten funktionalen Schritte der Adaption sein. Der Reiz des Films lag immer darin, zwischen Stimmungen hin und her zu springen. Das Risiko auf der Bühne bestünde darin, dass diese Sprünge holprig wirken. Eigene Musik, die hilft, diese Übergänge zu verbinden, macht aus einer potenziellen Schwäche einen Theater-Vorteil.
Rock-Energie statt Museumsnostalgie
Das klarste Urteil der Kritik lautet, die Show „rockt“. Dieses Wort leistet hier viel Arbeit. Es verweist nicht nur auf die Klangidentität der Musik, sondern auf die grundsätzliche Bereitschaft der Produktion, Tempo und Intensität zu umarmen. Ein Vampirmusical auf Basis von The Lost Boys muss Gefahr, Verführung und ein wenig jugendliches Chaos verkaufen. Die Kritik legt nahe, dass dies hier gelingt.
Regisseur Michael Arden erhält besonderes Lob dafür, wie die Welt von Santa Carla auf der Bühne gestaltet wird. Die Produktion wird als etwas beschrieben, das sich „einen Taschenlampen-Schein nach dem anderen“ entfaltet, ein Bild, das auf bewusste visuelle Kontrolle und eine Atmosphäre hindeutet, die durch Enthüllung statt Überladung entsteht. Das ist das Gegenteil von liebloser Markenverwertung. Es zeigt eine Produktion, die ihre eigene Bühnensprache entwickeln will.
In der aktuellen Broadway-Landschaft ist bemerkenswert, wie viele Adaptionen mit sofortigem Wiedererkennungswert, aber wenig interpretativer Dringlichkeit ankommen. Ein Titel allein kann Tickets verkaufen. Aber Wiedererkennung ist nicht dasselbe wie Neuerfindung. Nach der vorliegenden Kritik wird The Lost Boys: A New Musical als Show mit eigener Haltung aufgenommen.
Warum diese Adaption jetzt Resonanz findet
Es gibt eine offensichtliche kommerzielle Logik, einen Kultstoff mit treuer Fangemeinde neu auf die Bühne zu bringen. Doch eine Geschichte wie The Lost Boys besitzt auch eine tiefere theatralische Anziehungskraft. Ihre Mischung aus familiärer Instabilität, verführerischer Gefahr, jugendlicher Identität und stilisierter Gewalt liegt ohnehin schon nahe an der Skala des Musiktheaters. Das Ausgangsmaterial war immer emotional übergroß; Broadway gibt ihm einfach einen weiteren Mechanismus, diesen Überschuss auszudrücken.
Die Kritik deutet zudem noch etwas anderes an: Die Produktion trifft jene Art von Staunen, die einen unvergesslichen Theaterabend ausmacht. In einer Saison voller filmischer Adaptionen ist der Vergleich der Kritikerin oder des Kritikers mit dem ersten Erlebnis einer großen Broadway-Produktion aufschlussreich. Das spricht dafür, dass hier nicht nur eine solide Adaption gelobt wird, sondern ein Bühnenereignis.
Das heißt nicht, dass alle Zuschauer gleich reagieren werden, besonders nicht jene, die eine voll campige Parodie erwarten. Doch die offensichtliche Entscheidung der Produktion, die emotionalen Einsätze ernst zu nehmen statt sie ironisch zu brechen, könnte genau der Grund sein, warum sie funktioniert.
Mehr als bloßer Fanservice
Die besten Bühnenadaptionen beschränken sich nicht darauf, Szenen, die das Publikum schon kennt, einfach nachzustellen. Sie erkennen, was im Original angelegt war, und bauen darauf auf. Laut der vorliegenden Kritik gelingt The Lost Boys: A New Musical das, indem es Figuren erweitert, originale Songs nutzt, um seine tonalen Extreme zu verbinden, und die Ausdrucksmöglichkeiten der Live-Performance ausspielt.
Damit bekommt Broadway etwas Nützlicheres als nur eine weitere wiedererkennbare Marke. Er bekommt eine Produktion, die ihre eigene Existenz zu rechtfertigen scheint. In einem Markt voller Adaptionen ist das immer noch der schwerste Trick.
Dieser Artikel basiert auf Berichterstattung von Mashable. Den Originalartikel lesen.
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