Friendster ist mit einer radikal engeren Vorstellung davon zurück, was ein soziales Netzwerk sein sollte

Friendster, eine der frühesten großen Social-Networking-Plattformen, ist nach mehr als einem Jahrzehnt zurück. Doch der Neustart ist kein Versuch, das soziale Internet, das danach kam, neu zu erschaffen. Stattdessen ist die neue Version um eine harte Einschränkung herum gebaut: Nutzer können sich nur mit Menschen verbinden, die sie im echten Leben kennen, und sie können das nur tun, indem sie bei geöffneter App ihre Telefone physisch aneinander tippen.

Diese Designentscheidung macht Friendster eher zu einem Anti-Feed-Netzwerk als zu einer konventionellen sozialen Plattform. Dem bereitgestellten Quellentext zufolge enthält die iOS-App keine Beiträge, keine Follow-Vorschläge, keine Anzeigen und keine Algorithmen. Ein Nutzer, der sich anmeldet, sieht leeren Raum statt eines Inhaltsstroms. Es geht nicht um Entdeckung, Reichweite oder passives Scrollen. Es geht um direkte, bewusste Verbindung.

Ein Neustart, der das dominante soziale Modell ablehnt

Moderne soziale Medien sind auf Expansion ausgelegt. Plattformen wollen, dass Nutzer Fremde finden, endlose Empfehlungen konsumieren und mehr Zeit in Engagement-Schleifen verbringen. Die neue Friendster-Version scheint gegen all das entworfen zu sein. Wenn das Folgen einer Person physische Nähe und ein gegenseitiges Antippen der Geräte erfordert, kann die Plattform kaum zu einem Ort für massiven Publikumsaufbau, virale Verstärkung oder algorithmisches Wachstum werden.

Das macht den Neustart schon kulturell interessant, bevor überhaupt klar ist, ob er skalieren kann. Das Produkt nutzt Nostalgie nicht bloß als Markenzeichen. Es formuliert durch seine grundlegenden Mechaniken eine Kritik an den heutigen sozialen Plattformen. Indem es Feeds entfernt und persönliche Verbindung erzwingt, legt es nahe, dass soziales Networking sich zu sehr von realen Beziehungen entfernt haben könnte.

Der Gründer des neuen Friendster, Mike Carson, bewirbt die Plattform als frei von Anzeigen und Algorithmen. Das sind keine kleinen Auslassungen. Anzeigen prägen Geschäftsmodelle. Algorithmen prägen Aufmerksamkeit. Zusammen bestimmen sie einen großen Teil der Funktionsweise heutiger Plattformen. Beides zu entfernen lässt ein Netzwerk zurück, das ruhiger, bewusster und möglicherweise deutlich kleiner wirkt.