Autohersteller lehnt Druck aus Ottawa ab

Der CEO der Volkswagen Group, Oliver Blume, hat kategorisch Versuche der kanadischen Regierung abgelehnt, Kanadas MehrMilliarden-Dollar-U-Boot-Beschaffungsvertrag an Autoinvestitionen zu koppeln. Auf der jährlichen Medienkonferenz des Unternehmens in Wolfsburg, Deutschland, erklärte Blume, dass Volkswagen seine Geschäftstätigkeit nicht mit anderen Deals verknüpft und Entscheidungen ausschließlich auf der Grundlage treffen wird, was für das Unternehmen sinnvoll ist.

Die Erklärung widerspricht Kanadas Industrieministerin Mélanie Joly, die öffentlich erklärt hat, dass der U-Boot-Beschaffungsvertrag genutzt werden sollte, um Autoinvestitionen zu fördern. Der Konflikt verdeutlicht die komplexe Überschneidung von Rüstungsbeschaffung, Industriepolitik und globaler Automobilstrategie, die zunehmend internationale Wirtschaftsbeziehungen charakterisiert.

Der U-Boot-Beschaffungsvertrag

Im Mittelpunkt des Streits steht ein massiver U-Boot-Beschaffungsvertrag im Wert von bis zu 60 Milliarden kanadischen Dollar, etwa 44 Milliarden US-Dollar, einschließlich Produktion und 30 Jahren Wartung. Zwei Schiffbauer konkurrieren um den Vertrag: Deutschlands Thyssen Krupp Marine Systems und Südkoreas Hanwha Ocean Co.

Kanada versucht, seine alternde Flotte von Victoria-Klasse-U-Booten zu ersetzen, die von Wartungsproblemen und begrenzter Einsatzverfügbarkeit geplagt werden. Die neuen U-Boote würden Kanadas bedeutendsten Militärbeschaffungsauftrag in Jahrzehnten und eine große wirtschaftliche Gelegenheit für das Land darstellen, dessen Angebot ausgewählt wird.

Die kanadische Regierung hat versucht, den maximalen wirtschaftlichen Nutzen aus der Beschaffung zu ziehen, indem sie sie mit breiteren industriellen Verpflichtungen verknüpft hat. Ministerin Joly erklärte in einer Februarrede explizit, dass Kanada eine Autofabrik als Teil des Deals möchte und mit deutschen und koreanischen Unternehmen verhandelt, um Rüstungsinvestitionen für Vorteile im Automobilsektor zu nutzen.

Die Position von Volkswagen

Blumes Weigerung, sich auf diese Verknüpfung einzulassen, spiegelt Volkswagens Ansicht wider, dass seine Autoinvestitionen auf ihren eigenen Verdiensten bewertet werden sollten, anstatt als Verhandlungsmasse in nicht verwandten Beschaffungsentscheidungen zu dienen. Das Unternehmen ist bereits auf halbem Weg zum Bau einer sieben Milliarden Dollar teuren Batteriezellenfertigungsanlage in St. Thomas, Ontario, über seine PowerCo-Tochter, deren Produktion 2027 beginnen soll.

Der CEO betonte, dass Volkswagen regelmäßigen Kontakt mit der kanadischen Regierung bezüglich der Batterieanlage hält und Rohstoffdeals in Kanada verfolgt, das seiner Aussage nach viel in Bezug auf kritische Mineralien für die Batterieproduktion zu bieten hat. Allerdings zog er eine klare Grenze zwischen diesen Aktivitäten und dem U-Boot-Beschaffungsprozess.

Wichtige Punkte von Blumes Position sind:

  • VW verknüpft seine Investitionen nicht mit externen Beschaffungsentscheidungen
  • Das Unternehmen wird Möglichkeiten verfolgen, die strategisch sinnvoll sind
  • Die 7-Milliarden-Dollar-Batterieanlage in Ontario läuft nach ihrem eigenen Plan
  • Kanadas kritische Mineralien sind interessant, unabhängig von U-Boot-Deals

Kanadas Industriestrategie

Ottawas Versuch, U-Boot-Beschaffung an Autoinvestitionen zu koppeln, spiegelt eine breitere kanadische Industriestrategie wider, die versucht, den inländischen wirtschaftlichen Nutzen großer Staatsaufträge zu maximieren. Der Ansatz ist nicht neu. Länder erlegen Rüstungsverträgen routiniert Kompensationsanforderungen auf und verlangen, dass Auslandslieferanten als Bedingung für den Geschäftsabschluss in die lokale Industrie investieren.

Allerdings ist Kanadas Ansatz in seiner Direktheit und in der Breite der versuchten Verknüpfung ungewöhnlich. Anstatt U-Boot-bezogene industrielle Kompensationen zu verlangen, versucht Ottawa, den Rüstungsauftrag zu nutzen, um Autoinvestitionen anzuziehen, die nur am Rande mit der Beschaffung selbst verbunden sind.

Hyundai sieht sich ähnlichem Druck ausgesetzt, lokale Autoproduktion zu etablieren, während Südkoreas Hanwha Ocean um den U-Boot-Auftrag konkurriert. Im Gegensatz zu Volkswagen hat Hyundai keine Fertigungsstätten in Kanada, was die Anforderung bedeutender macht, aber auch potenziell attraktiver als Verhandlungsmasse.

Der größere Kontext

Der Streit findet vor dem Hintergrund intensiver globaler Konkurrenz um Autoinvestitionen statt, besonders in Elektrofahrzeug- und Batterieproduktion. Länder weltweit bieten massive Subventionen und Anreize, um EV-Fertigung anzuziehen, und Kanada beteiligt sich aktiv an diesem Wettbewerb und bietet umfangreiches Unterstützungspaket an, um Investitionen von Unternehmen wie Stellantis, Honda und Volkswagens PowerCo zu sichern.

Die Strategie hat sich gelohnt. Kanada hat in den letzten Jahren erhebliche Batterieproduktionsinvestitionen angezogen und positioniert sich als nordamerikanisches Zentrum für EV-Lieferketten-Aktivitäten. Allerdings war das Land weniger erfolgreich bei der Anziehung neuer Fahrzeugmontagewerke, die mehr Arbeitsplätze und größere wirtschaftliche Auswirkungen als Batterieanlagen allein bieten.

Diese Lücke zwischen Batterieinvestitionen und Fahrzeugmontage ist das, was die Regierung dazu bewegt, alle verfügbaren Hebel, einschließlich Rüstungsbeschaffung, zu nutzen, um Autoproduktion anzuziehen. Ob dieser Ansatz erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten, aber Volkswagens öffentliche Ablehnung der Verknüpfung deutet darauf hin, dass zumindest einige Unternehmen die Strategie als Übergriff ansehen.

Was nun?

Die Entscheidung zum U-Boot-Beschaffungsauftrag wird in den kommenden Monaten erwartet, und die konkurrierenden Gebote von TKMS und Hanwha Ocean werden nach technischen, operativen und wirtschaftlichen Kriterien bewertet. Ob Autoinvestitionsverpflichtungen, formell oder informell, in die endgültige Entscheidung einfließen, bleibt eine der Schlüsselfragen, die über dem Prozess hängen. Volkswagens Weigerung, sich an der Verknüpfung zu beteiligen, könnte seinen Einfluss auf das Ergebnis verringern, spiegelt aber auch eine grundsätzliche Position wider, dass Geschäftsentscheidungen auf ihren eigenen Meriten getroffen werden sollten, anstatt mit nicht verwandten Staatsaufträgen verflochten zu sein.

Dieser Artikel basiert auf Berichten von Automotive News. Lesen Sie den Originalartikel.