Ein unwahrscheinliches Fahrzeug hat gerade eine ungewöhnlich ernste Reise beendet
Der Reliant Robin wird normalerweise nicht als glaubwürdige Plattform für Überlandfahrten betrachtet. Sein Ruf, besonders außerhalb Großbritanniens, ist eher der eines Autofahr-Witzes als der einer Maschine für Ausdauerleistungen. Genau das macht die neu abgeschlossene 14.000-Meilen-Reise von London nach Kapstadt so bemerkenswert. Laut Jalopniks Bericht über die Fahrt machten Ollie Jenks und Seth Scott aus einem Robin ein improvisiertes Expeditionsfahrzeug und nutzten ihn, um einen Rekord für die längste Fahrt in einem Dreirad aufzustellen.
Die Reise, die unter dem Namen Hold My Gear durchgeführt wurde, führte durch 22 Länder und trieb ein berühmt unwahrscheinliches Auto durch Wüsten, Dschungel und kriegsbetroffene Regionen. Es ging nicht einfach nur darum, in einem ungewöhnlichen Fahrzeug zu reisen. Scotts ursprüngliche Idee war ausdrücklich auf einen Rekord ausgerichtet: die Bestmarke von Anton Gonnissen zu übertreffen, der 2019 eine Langstreckenroute auf einem dreirädrigen Motorrad absolvierte.
Warum die Reise über den Stunt-Faktor hinaus wichtig ist
Oberflächlich gelesen wirkt die Geschichte wie automobiler Absurdismus. Ein Reliant Robin steht für Fragilität, Ungeschicklichkeit und Instabilität, nicht für Langstrecken-Expeditionen. Doch die absolvierte Fahrt erinnert auch an etwas Grundlegenderes in der Fahrzeugkultur: Leistungsfähigkeit entsteht oft ebenso aus Vorbereitung, Reparierbarkeit und menschlicher Ausdauer wie aus idealem Produktdesign.
Das Duo setzte nicht nur auf den serienmäßigen Charme. Der Robin, mit dem Spitznamen „Shelia the Three-Wheeler“, wurde zu einem Pseudo-Overlander mit praktischen Verbesserungen umgebaut. Die von Jalopnik beschriebene Vorbereitung setzte weniger auf radikale Technik als auf grundlegende Robustheit. Rostige oder defekte Teile wurden ersetzt. Zusätzliche Beleuchtung wurde montiert. Ein Dachgepäckträger kam hinzu. Die originalen Sitze wichen gebrauchten Mazda-MX-5-Sitzen mit moderneren Gurten. Im Heck installierte das Team ein großes Batterie-Wechselrichter-Setup sowie einen Stahlbügel zum Schutz des kleinen Kraftstofftanks.
Diese Details sind wichtig, weil sie zeigen, dass die Reise nicht dadurch gelang, dass man so tat, als sei der Robin bereits für den Zweck geeignet. Das Auto musste angepasst, geschützt und ständig betreut werden. Das war weniger der Beweis, dass der Robin heimlich das perfekte Expeditionsfahrzeug ist, als vielmehr der Nachweis, dass entschlossene Reisende die Bedeutung von Fahrzeugtauglichkeit viel weiter dehnen können, als die übliche Weisheit vermuten lässt.


