Die NASA reicht Boeing für dessen Starliner-Crewkapsel eine finanzielle und technische Rettungsleine und geht daran, ein Raumschiff wieder instand zu setzen, dessen Testflug 2024 so schlecht verlief, dass seine beiden Piloten rund neun Monate länger als geplant an Bord der Internationalen Raumstation leben mussten.

NASA-Administrator Jared Isaacman kündigte am Montag an, Boeing solle in der Lage sein, einen überarbeiteten Starliner bis Dezember zur Station zu schicken. Dieser Flug würde Fracht befördern, keine Menschen. Astronauten werden erst 2028 in die Kapsel steigen, ein Zeitplan, der durch Sicherheits-Neukonstruktionen bedingt ist, die nach Angaben der Verantwortlichen Monate, möglicherweise Jahre zusätzlicher Arbeit verschlingen werden.

Erst ein Frachtflug, Crew viel später

Das Dezember-Ziel stellt einen bewussten Schritt zurück dar, bevor irgendein Schritt nach vorn erfolgt. Den Starliner unbemannt fliegen zu lassen, ermöglicht es Ingenieuren, Korrekturen an den Antriebs- und anderen Systemen zu validieren, die während der Mission 2024 versagt haben, ohne eine Crew einem Restrisiko auszusetzen. Erst wenn diese Systeme nachweislich wiederholbare, zuverlässige Leistung zeigen, würde die Behörde erwägen, wieder Menschen an Bord zu bringen.

Dana Weigel, eine am Programm beteiligte Managerin, betonte, dass die Schwelle für die Rückkehr von Astronauten Vertrauen sei, nicht Zeitplandruck. Ihre Botschaft war, dass jeder bekannte Defekt verstanden und behoben sein muss, bevor eine Crew zum Flug freigegeben wird. Diese Haltung spiegelt wider, wie ernst die NASA die Erfolgsbilanz des Fahrzeugs inzwischen nimmt.

Der Einsatz ist ungewöhnlich hoch, weil die Behörde den Flug von 2024 bereits als crewgefährdenden „Type-A-Zwischenfall“ eingestuft hat – ihre schwerwiegendste Klassifizierung für einen Vorfall. Diese Einstufung hat innerhalb der NASA Gewicht und prägt, wie viel Prüfung, Papierarbeit und unabhängige Überprüfung jeder künftige Flug durchlaufen wird.

Wie die Mission 2024 entgleiste

Starliners Weg in die Umlaufbahn war nie reibungslos. Boeing kämpfte sich durch zwei unbemannte Testflüge, die nicht sauber verliefen, was das Programm wiederholt verzögerte und Zeitpläne aufzehrte, die die NASA darauf aufgebaut hatte, eine zweite kommerzielle Mitfluggelegenheit zur Station zu haben.

Die Kapsel startete schließlich mit den Astronauten Butch Wilmore und Suni Williams an Bord. Was eine relativ kurze Demonstrationsmission sein sollte, wurde stattdessen zu einem verlängerten Aufenthalt: Die im Flug aufgetretenen Probleme waren schwerwiegend genug, dass die NASA beschloss, die Crew überhaupt nicht im Starliner nach Hause zu bringen. Wilmore und Williams kehrten stattdessen an Bord einer SpaceX Dragon zurück, rund neun Monate nach ihrem Start.

Beide Astronauten sind inzwischen aus der Behörde ausgeschieden. Ihr unbeabsichtigter Marathon an Bord der Station wurde zum sichtbarsten Symbol für die Schwierigkeiten des Programms und zeitweise zu einer fortlaufenden Geschichte über zwei Profis, die das Beste aus einem unbegrenzten Einsatz im Orbit machten.

Warum die NASA weiterhin eine zweite Mitfluggelegenheit will

Das Interesse der Behörde, den Starliner zu reparieren, ist struktureller Natur und nicht sentimental. Nach der Außerdienststellung der Space-Shuttle-Flotte zahlte die NASA Milliarden von Dollar an zwei Unternehmen – Boeing und SpaceX –, gerade um zu vermeiden, für den Transport von Menschen in und aus dem Orbit von einem einzigen Fahrzeug abhängig zu sein.

NASA ramps up support to get Boeing's astronaut capsule flying after Butch and Suni fiasco
Dieses von der NASA bereitgestellte Foto zeigt Boeings Starliner-Raumschiff am 3. Juli 2024 an die Internationale Raumstation angedockt, gesehen aus einem Fenster des an einem benachbarten Port angedockten SpaceX-Dragon-Raumschiffs Endeavour. Bildnachweis: NASA via AP, File
  • SpaceX wurde 2020 das erste private Unternehmen, das Astronauten in die Umlaufbahn brachte, und hat seitdem in stetigem Rhythmus Crews für die NASA geflogen, wobei seine 14. derartige Mission für später in dieser Woche angesetzt ist.
  • Boeing sollte die konkurrierende Option bereitstellen und der Behörde Redundanz geben, falls eine Kapsel am Boden bleiben müsste.
  • Diese Redundanz ist nicht eingetreten, sodass die NASA viel länger als geplant für den Crewtransport auf einen einzigen Anbieter angewiesen bleibt.

Eine tickende Uhr auf der SpaceX-Seite

Es gibt einen zweiten Grund, warum die Behörde den Starliner unbedingt wieder fliegen sehen will: SpaceX hat signalisiert, dass es beabsichtigt, seine Falcon-9-Raketen und Dragon-Kapseln innerhalb weniger Jahre auslaufen zu lassen und den Fokus auf das größere Starship-Fahrzeug zu verlagern, das am Montag erstmals die Umlaufbahn erreichte.

Dieser Übergang würde die NASA, wann immer er vollständig eintritt, auf zertifizierte Alternativen angewiesen lassen. Ein Starliner, der funktioniert – und zuverlässig funktioniert – würde den Wettbewerb erhalten und der Behörde Hebel und Ausweichkapazität in einem Markt geben, der derzeit nur einen bewährten Crewtransporter hat.

Die Kosten der Wiedergutmachung

Den Starliner wieder zum Fliegen zu bringen, ist nicht kostenlos. Weigel sagte, die zusätzlichen Kapsel-Upgrades und neuen Raketenzertifizierungen, die für das Programm erforderlich sind, werden die NASA weitere 359 Millionen Dollar kosten. Diese Zahl kommt zu den Milliarden hinzu, die die Behörde bereits in Boeings Fährdienst investiert hat, und sie unterstreicht, wie teuer es wird, wenn ein Raumschiff substanziell überarbeitet werden muss statt einfach nur neu zertifiziert zu werden.

Die Ausgaben signalisieren auch Absicht. Die NASA wendet sich nicht von Boeings Kapsel ab; sie kauft die Ingenieursstunden, die nötig sind, um die Anomalien abzuschließen und eine Grundlage für bemannte Flüge wieder aufzubauen.

Ein neuer Kommandant und eine Verbeugung vor der Vergangenheit

Der NASA-Astronaut Woody Hoburg wird den nächsten Starliner-Flug kommandieren. Er beschrieb die Bemühungen als auf dem richtigen Weg und zollte den beiden Piloten, die das Fahrzeug vor ihm flogen, Tribut, nannte Wilmore und Williams amerikanische Helden und sagte, er sei zutiefst demütig, in ihre Fußstapfen zu treten.

Diese Rahmung ist wichtig für ein Programm, das versucht, sein schwierigstes Kapitel hinter sich zu lassen. Die Astronauten, die die Konsequenzen der Fehlschläge von 2024 trugen, sind inzwischen aus der Behörde ausgeschieden, doch ihre Erfahrung prägt die Neukonstruktionsarbeit und die Vorsicht, die sie umgibt.

Was als Nächstes kommt

Die kurzfristigen Meilensteine sind konkret: die Upgrades abschließen, die Frachtmission im Dezember zur Station fliegen, Daten sammeln und dann den langen Zertifizierungsweg beginnen, um 2028 Menschen an Bord zu bringen. Jeder Schritt wird genau beobachtet werden, sowohl weil das Fahrzeug zuvor versagt hat als auch weil die breitere Strategie der NASA für bemannte Raumfahrt davon abhängt, mehr als einen Weg in die Umlaufbahn zu haben.

Für Boeing stellt das Programm eine Chance dar, Jahre von Rückschlägen in ein funktionierendes Raumschiff zu verwandeln. Für die NASA ist es eine Wette, dass zusätzliche Finanzierung und Aufsicht einen Type-A-Zwischenfall in einen routinemäßigen, verlässlichen Dienst verwandeln können – einen, auf den die Behörde nicht leicht verzichten kann.

Dieser Artikel basiert auf einer Berichterstattung von Phys.org. Lesen Sie den Originalartikel.

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