Jahrzehntelang haben Astronomen mysteriöse Radiopulse aus den Tiefen des Weltalls entdeckt. Einige der rätselhaftesten stammen von Doppelsternsystemen, die alle paar Minuten aufblitzen – weitaus langsamer als das schnelle Ticken typischer Pulsare. Jetzt haben Forscher am Caltech mithilfe von Supercomputersimulationen gezeigt, wie synchronisierte Sternpaare genau diese langperiodischen kosmischen Radiobursts erzeugen.

Ein langsamerer kosmischer Puls

Die meisten Radiopulsare sind Neutronensterne, die mit unglaublicher Geschwindigkeit rotieren und Strahlenbündel in jedem Bruchteil einer Sekunde über die Erde fegen. Aber die Objekte in dieser neuen Studie pulsieren auf einer viel längeren Zeitskala und senden regelmäßige Bursts alle paar Minuten aus. Diese intensiven Strahlen sind keine gewöhnlichen Radiowellen, sondern Maser – das Radioäquivalent von Lasern –, die unter extremen Bedingungen erzeugt werden.

Bisher vermuteten Wissenschaftler, dass diese langperiodischen Bursts mit Doppelsternsystemen zusammenhängen, die einen Weißen Zwerg und einen M-Zwerg (roten Zwerg) enthalten. Die beiden Sterne umkreisen sich in einem engen Gravitationstanz, und ihre synchronisierte Wechselwirkung wurde als Verstärker der Radioemission angesehen. Der genaue physikalische Prozess hinter der Maserwirkung blieb jedoch unklar.

Ein kosmischer Radio-Laser erklärt

Maser sind natürliche Verstärker von Mikrowellen- oder Radiostrahlung. Im Weltraum findet man sie oft in Regionen, in denen energiereiche Teilchen entlang magnetischer Feldlinien spiralen und kohärente Energieausbrüche freisetzen. Der Mechanismus hinter diesen Emissionen ist als Elektron-Zyklotron-Maser-Instabilität (ECMI) bekannt. Wenn Elektronen in einem Magnetfeld beschleunigt werden, emittieren sie Strahlung mit einer charakteristischen Frequenz, die mit ihrer Gyration um die Feldlinien zusammenhängt. Unter bestimmten Bedingungen wird diese Emission zu einem leistungsstarken, fokussierten Strahl verstärkt.

In den neu simulierten Doppelsternsystemen ist das Magnetfeld des Weißen Zwergs die dominierende Kraft. Es überstreicht den M-Zwerg, während die beiden Sterne einander umkreisen, und treibt enorme elektrische Ströme durch den Raum zwischen ihnen. Diese Ströme beschleunigen Elektronen, und die resultierende ECMI erzeugt die langperiodischen Radiopulse, die Astronomen verblüfft haben. Die Simulationen zeigen, dass die Synchronisation der beiden Sterne entscheidend ist – jeder Umlauf löst die Instabilität aus und erzeugt einen Puls.

Die Weißer-Zwerg–M-Zwerg-Verbindung

Weiße Zwerge sind die dichten, kompakten Überreste sonnenähnlicher Sterne, die ihren nuklearen Brennstoff erschöpft haben. M-Zwerge, auch M-Typ-Rote Zwerge genannt, gehören zu den kleinsten und kühlsten Hauptreihensternen. Wenn sie in einem engen Doppelsternsystem gepaart sind, interagieren ihre Magnetfelder auf dramatische Weise.

Nach der neuen Forschung sind die Magnetfeldlinien des Weißen Zwergs weitaus stärker als die seines M-Zwerg-Begleiters und spielen eine Schlüsselrolle bei der Erzeugung der Radioemission. Wenn sich der M-Zwerg durch das Magnetfeld des Weißen Zwergs bewegt, wirkt er wie ein Leiter, der sich durch einen magnetischen Generator bewegt und einen massiven Strom erzeugt. Dieser Strom fließt entlang der Magnetfeldlinien und speist die ECMI.

Das Ergebnis ist ein kohärenter Radiostrahl, der wie ein Leuchtturm durch den Weltraum fegt. Jedes Mal, wenn das Doppelsternsystem einen Umlauf abschließt, zeigt der Strahl zur Erde und erzeugt einen regelmäßigen Puls. Dies erklärt, warum die beobachteten Bursts alle paar Minuten wiederkehren, was der Umlaufzeit des Doppelsternsystems entspricht.

Simulation des Maser-Motors

Die Studie, veröffentlicht in The Astrophysical Journal Letters, wurde von Yici Zhong, Sherman Fairchild Postdoctoral Scholar Research Associate in Theoretical Astrophysics, und Elias R. Most, Assistant Professor of Theoretical Astrophysics und William H. Hurt Scholar, geleitet. Beide sind Mitglieder der Theoretical AstroPhysics Including Relativity and Cosmology Gruppe und des Walter Burke Institute for Theoretical Physics am Caltech.

Zhong und Most bauten Supercomputersimulationen, die zum ersten Mal ein klares, durchgängiges Bild davon lieferten, wie diese Doppelsternpaare die Maser antreiben, die sie ins All schießen. Die Modelle verfolgten den Stromfluss zwischen den Sternen und die resultierende Radioemission und zeigten, dass ECMI tatsächlich für die langperiodischen Bursts verantwortlich ist, die von Teleskopen beobachtet werden.

Diese Ergebnisse geben Astronomen einen direkten rechnerischen Rahmen zum Verständnis der Radioemission von Doppelsternsystemen mit einem interagierenden Weißen Zwerg. Bisher mussten Forscher auf indirekte Schlussfolgerungen und vereinfachte Modelle zurückgreifen. Der neue Ansatz kann verwendet werden, um das Verhalten ähnlicher Systeme vorherzusagen und zukünftige Beobachtungen zu interpretieren.

Ein vertrautes Muster: Jupiter und Io

Interessanterweise ähneln die Radiopulse von Weißer-Zwerg–M-Zwerg-Binärsystemen stark den planetaren Radioemissionen, die im Jupitersystem beobachtet werden. Astronomen bemerkten diese Bursts erstmals 1955 und verbrachten Jahre damit, zu erklären, was sie antreibt. 1969 lösten die Caltech-Wissenschaftler Peter Goldreich, Professor Lee A. DuBridge, und Donald Lynden-Bell einen Teil des Rätsels. Sie schlugen vor, dass ein starker elektrischer Strom zwischen Jupiter und seinem innersten Galileischen Mond Io fließt, wenn der Mond durch das Magnetfeld des Jupiter fegt.

Nach ihrer Theorie erzeugt die Umlaufbewegung von Io einen Strom von einer Million Ampere in Form einer Röhre, die Io mit der Magnetosphäre des Jupiter verbindet. Diese Vorhersage wurde später durch direkte Satellitenbilder bestätigt. Andere Forschungen zeigten, wie ähnliche Prozesse in stellaren Doppelsternsystemen ablaufen könnten, aber die neuen Simulationen liefern das detaillierteste Bild bisher, wie die Emission erzeugt wird.

Was die Simulationen zeigen

Die Simulationen bieten mehrere wichtige Einblicke in die Erzeugung langperiodischer Radiobursts:

  • Das Magnetfeld des Weißen Zwergs ist der Haupttreiber der Maseremission, nicht das des M-Zwergs.
  • Die Elektron-Zyklotron-Maser-Instabilität tritt in diesen Doppelsternsystemen natürlich auf, wenn der Strom zwischen den Sternen einen kritischen Schwellenwert erreicht.
  • Die Umlaufzeit des Doppelsternsystems bestimmt die Wiederholungsrate der Radiopulse, was die beobachteten Intervalle von einigen Minuten erklärt.
  • Die Radioemission ist stark gerichtet, weshalb wir diese Bursts nur erkennen, wenn der Strahl zufällig die Erde kreuzt.

Diese Arbeit zeigt auch die Leistungsfähigkeit der computergestützten Astrophysik. Mit Supercomputersimulationen können Forscher Umgebungen untersuchen, die zu extrem sind, um sie im Labor nachzubilden, und Phänomene studieren, die sich über astronomische Zeitskalen entfalten. Das Modell des Caltech-Teams kann auf andere Doppelsternkonfigurationen angewendet werden und möglicherweise weitere Quellen kosmischer Maser aufdecken.

Implikationen für zukünftige Beobachtungen

Wenn zukünftige Radioteleskope den Himmel mit größerer Empfindlichkeit abtasten, werden sie wahrscheinlich mehr dieser faszinierenden Systeme entdecken. Langperiodische Radiotransienten waren jahrelang ein Beobachtungsrätsel, und ihre Verbindung mit ECMI in Weißer-Zwerg–M-Zwerg-Binärsystemen bietet eine kohärente Erklärung, die mit zukünftigen Beobachtungen getestet werden kann.

Die neuen Simulationen bieten auch ein Vorhersagewerkzeug. Durch die Modellierung der erwarteten Radioemission eines bekannten Doppelsternsystems können Astronomen Beobachtungen mit theoretischen Vorhersagen vergleichen und identifizieren, welche Systeme wahrscheinlich Maser erzeugen. Dies könnte helfen, Ziele für Folgebeobachtungen zu priorisieren und zur Entdeckung weiterer dieser kosmischen Radio-Laser führen.

Im weiteren Kontext wirft das Verständnis, wie Doppelsterne kohärente Radioemission erzeugen, Licht auf grundlegende Plasmaphysik in extremen Umgebungen. Es verbindet auch stellare Astrophysik mit Planetenwissenschaft, da dieselben Prozesse, die Radiobursts in Sternsystemen erzeugen, auch in unserem eigenen Sonnensystem zwischen Jupiter und seinem Mond Io wirken.

Die Caltech-Studie bringt Wissenschaftler einen großen Schritt näher daran, das Rätsel dieser synchronisierten stellaren Radiopulse zu lösen. Mit der neu gewonnenen Fähigkeit, den Maser-Mechanismus im Detail zu modellieren, sind die Radio-Laser des Universums nicht länger so rätselhaft – sie sind einfach eine weitere Konsequenz von Sternen, die im Gleichschritt unter dem Einfluss starker Magnetfelder kreisen.

Dieser Artikel basiert auf einem Bericht von Universe Today. Lesen Sie den Originalartikel.

Originally published on universetoday.com