Europa verlagert seine Verteidigungsforschung hin zu billigeren, schnelleren Gefechtssystemen

Die Europäische Kommission hat die Ergebnisse der Ausschreibung 2025 des Europäischen Verteidigungsfonds vorgestellt und 57 gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit insgesamt 1,07 Milliarden Euro Förderung ausgewählt. Das Paket ist nicht nur wegen seiner Größe bemerkenswert, sondern auch wegen dessen, was es über Europas militärische Prioritäten nach mehr als zwei Jahren des Versuchs sagt, die Lehren aus dem Krieg in der Ukraine zu verarbeiten.

Laut dem Ausgangstext werden 675 Millionen Euro 32 Fähigkeitsentwicklungsprojekte unterstützen und 332 Millionen Euro 25 Forschungsinitiativen finanzieren. An den ausgewählten Vorhaben sind 634 Einrichtungen aus 26 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen beteiligt. Kleine und mittlere Unternehmen stellen mehr als 38 % der Teilnehmenden und erhalten mehr als 21 % der Gesamtförderung, was darauf hindeutet, dass Brüssel die Beteiligung über die etablierten Hauptauftragnehmer hinaus verbreitern will.

Drohnen und Loitering Munition stehen im Mittelpunkt

Das klarste Signal dieser Förderrunde ist die Konzentration auf Drohnenkrieg und bezahlbare Massenproduktion. Der Ausgangstext nennt mindestens vier Projekte, die sich speziell auf Loitering Munition und skalierbare Drohnenfertigung konzentrieren: EURODAMM, LUMINA, SKYRAPTOR und TALON.

Diese Schwerpunktsetzung spiegelt eine praktische Schlussfolgerung aus der Ukraine wider: Billige, entbehrliche Angriffssysteme haben die moderne Kriegsführung schneller verändert, als viele europäische Verteidigungsindustrien darauf vorbereitet waren. Präzision gehört nicht mehr nur teuren Plattformen. Große Stückzahlen, schnelle Iteration und austauschbare Systeme zählen heute mehr, was Verteidigungsplaner dazu zwingt, neu zu überdenken, was Einsatzbereitschaft bedeutet.

Das Paket zeigt auch, dass Europa über eine einmalige Beschaffungslogik hinausgehen will. Forschung und Entwicklung in diese Kategorien zu finanzieren, deutet auf den Wunsch hin, Produktionskapazität, technische Tiefe und industrielle Resilienz rund um Fähigkeiten aufzubauen, die in großer Zahl eingesetzt werden können.

Die Ukraine wird in die Architektur eingebunden

Eine weitere wichtige Veränderung ist institutioneller Natur. Erstmals können ukrainische Einrichtungen als Unterauftragnehmer und Drittmittelempfänger an Projekten des Europäischen Verteidigungsfonds teilnehmen. Der Ausgangstext beschreibt dies als einen bedeutenden Schritt hin zur Integration der verteidigungstechnologischen und industriellen Basis der Ukraine in das europäische Ökosystem.

Das ist wichtig, weil die Ukraine nicht nur als künftiger Kunde oder strategisches Anliegen behandelt wird. Sie wird als Quelle von Gefechtswissen genutzt. Die Kommission verweist ausdrücklich auf den Wert direkter Kriegserfahrung, und ein Projekt, STRATUS, wird mit einem ukrainischen Unterauftragnehmer ein KI-gestütztes Cyberschutzsystem für Drohnenschwärme entwickeln.

Diese Konstellation verschafft Europa etwas, das ihm im Inland fehlt: unmittelbares operatives Feedback aus einem Konflikt hoher Intensität, in dem Drohnen, elektronische Kriegsführung, Cyberdruck und umkämpfte Logistik die Ergebnisse in Echtzeit prägen. Anstatt auf Nachkriegs-Doktrinprüfungen zu warten, versucht Brüssel, diese Lehren jetzt direkt in geförderte Entwicklungsprogramme einfließen zu lassen.

Einsatzbereitschaft statt Symbolik

Mehr als 15 der ausgewählten Projekte sind mit den vier European Readiness Flagships der Kommission verknüpft, also Fähigkeitsbereichen, die Brüssel als wesentlich für die kurzfristige operative Einsatzbereitschaft eingestuft hat. Ein genanntes Beispiel ist AETHER, das Antriebs- und Wärmemanagementsysteme zur Unterstützung der Drone Defence Initiative entwickeln wird.

Die Sprache des Pakets deutet auf einen Mentalitätswechsel hin. Europäische Verteidigungsförderung wurde oft wegen Fragmentierung, langsamer Zeitpläne und industriepolitischer Interessen kritisiert. Diese Runde scheint enger an dringenden operativen Themen ausgerichtet zu sein: Autonomie, Cyberabwehr, Drohnenresilienz und kostengünstigere Angriffssysteme, die in großem Maßstab produziert werden können.

Auch eine industriepolitische Dimension ist erkennbar. Mehrere Projekte für massenproduzierbare Drohnenmunition werden Unteraufrufe enthalten, die sich gezielt an Start-ups und kleine Unternehmen richten. Das zeigt, dass Brüssel versucht, die nächste Generation militärischer Fähigkeiten nicht vollständig in den traditionellen Strukturen der Hauptauftragnehmer zu verankern.

Was das Paket wirklich signalisiert

Die Gesamtsumme von 1,07 Milliarden Euro ist bedeutsam, doch die größere Bedeutung ist eine richtungsweisende. Europa formalisiert ein Modell der Verteidigungsinnovation, das weniger auf Prestigeplattformen und mehr auf entbehrliche Systeme, Autonomie und schnelle Produktion setzt. Der Krieg in der Ukraine hat es schwieriger gemacht, Beschaffungskulturen zu verteidigen, die allein auf kleine Flotten hochspezialisierter Vermögenswerte bauen.

Das bedeutet nicht, dass konventionelle Systeme aus der europäischen Planung verschwinden. Es bedeutet, dass sich der Schwerpunkt der Forschung und Entwicklung auf jene Technologien ausweitet, die sich in umkämpften, datenreichen und drohnengesättigten Gefechtsfeldern als entscheidend erwiesen haben. Die ausgewählten Projekte machen das unmissverständlich deutlich.

Worauf als Nächstes zu achten ist

Jetzt sind zwei Fragen entscheidend. Die erste ist die Umsetzung: Werden diese Projekte schnell genug vorankommen, um einsetzbare Fähigkeiten hervorzubringen, statt nur gut finanzierte Konsortien zu bleiben? Die zweite ist die Integration: Kann Europa aus einer langen Liste multinationaler Projekte eine kohärentere industrielle und operative Basis machen?

Die Botschaft aus Brüssel ist dennoch bereits klar. Die europäische Verteidigungsförderung wird um die Realitäten moderner Kriegsführung neu geordnet, wie sie in der Ukraine gelernt werden, nicht so, wie sie in älteren Streitkräfteplanungsmodellen تصورiert wurden. Drohnen, Autonomie, bezahlbare Massenproduktion und ukrainische Beteiligung sind keine Randthemen mehr. Sie stehen nun im Zentrum der Frage, wie Europa sein Geld für Verteidigungsforschung und -entwicklung ausgibt.

Dieser Artikel basiert auf einer Berichterstattung von Defense News. Zum Originalartikel.

Originally published on defensenews.com