Große nordische Studie bringt bariatrische Chirurgie mit geringerem Krebsrisiko in Verbindung
In einer großen nordischen Registerstudie unter Leitung von Forschenden des Karolinska Institutet war bariatrische Chirurgie mit einem etwa 20 % geringeren Risiko für adipositasbedingte Krebserkrankungen verbunden. Der Zusammenhang war über die Altersgruppen hinweg ähnlich und unterschied sich bei Krebsarten, die Frauen und Männer betreffen, nicht nach Geschlecht.
Die in JAMA Surgery veröffentlichten Ergebnisse ergänzen die langfristige Evidenz zu den gesundheitlichen Auswirkungen bariatrischer Chirurgie. Sie beantworten zudem Fragen, die in früheren Untersuchungen offen geblieben waren, etwa ob die scheinbare Verringerung des Krebsrisikos bei Frauen stärker ausfällt und ob das Alter zum Zeitpunkt der Operation das Ergebnis verändert.
Registerdaten aus drei Ländern
Die Forschenden untersuchten mehr als 780.000 Menschen mit Adipositas in Schweden, Dänemark und Finnland. Fast 100.000 von ihnen hatten sich einer Adipositasoperation unterzogen.
Verglichen wurden spätere Diagnosen adipositasbedingter Krebserkrankungen bei Menschen, die operiert worden waren, mit denen von Menschen mit Adipositas ohne Operation. Die Studie konzentrierte sich auf adipositasbedingte Krebserkrankungen, darunter mehrere Magen-Darm-Krebsarten sowie Leber-, Endometrium- und Eierstockkrebs.
Mehrere mit Adipositas verbundene Krebsarten, insbesondere Magen-Darm-Krebserkrankungen, nehmen in westlichen Bevölkerungen zu. Frühere Arbeiten hatten nahegelegt, dass eine Operation das Risiko dieser Krebsarten senken könnte; Größe und Beständigkeit des Zusammenhangs bei einzelnen Krebsarten waren zwischen den Studien jedoch unterschiedlich.
Die Vorteile waren nicht auf eine demografische Gruppe beschränkt
Die neue Analyse ergab keine Hinweise darauf, dass sich der Zusammenhang zwischen der Operation und einem geringeren Krebsrisiko danach verändert, ob die Menschen in jüngerem oder höherem Alter operiert wurden. Bei Krebsarten, die sowohl Frauen als auch Männer betreffen, wurde ebenfalls kein Unterschied nach Geschlecht festgestellt.
Das Ergebnis ist bedeutsam, weil frühere Befunde mitunter auf einen stärkeren protektiven Zusammenhang bei Frauen hingedeutet hatten. Die nordischen Daten sprechen stattdessen dafür, dass der langfristige Zusammenhang in den untersuchten Gruppen breit vorhanden ist und nicht auf eine eng begrenzte Patientengruppe beschränkt bleibt.
„Wir stellten fest, dass die Verringerung des Krebsrisikos nach einer Adipositasoperation über die Altersgruppen hinweg sowie zwischen Frauen und Männern ähnlich war. Das deutet darauf hin, dass die langfristigen gesundheitlichen Vorteile der Operation einem breiten Spektrum von Patientinnen und Patienten zugutekommen“, sagte Cecilia Radkiewicz, Forscherin am Karolinska Institutet und Erstautorin der Studie, in einer Mitteilung.
Größte Reduktionen bei ausgewählten Krebsarten
Die größten Risikoreduktionen wurden bei Leber-, Endometrium- und Eierstockkrebs beobachtet. Die vorliegende Studienzusammenfassung belegt weder, dass eine Operation das Krebsrisiko beseitigt, noch nennt sie einen einzelnen biologischen Mechanismus, der für den Zusammenhang verantwortlich ist. Sie berichtet vielmehr über ein niedrigeres beobachtetes Risiko bei Menschen mit Adipositas, die operiert wurden, im Vergleich zu nicht operierten Personen.
Diese Unterscheidung ist wichtig für die Interpretation registerbasierter Forschung. Solche Arbeiten können Ergebnisse in einem Umfang untersuchen, der in einer herkömmlichen klinischen Studie nur schwer zu erreichen wäre; sie berichten jedoch über einen Zusammenhang, der in realen Bevölkerungen beobachtet wurde. Die Ergebnisse sollten weder als Garantie für ein individuelles Ergebnis noch als Ersatz für eine auf die jeweilige Situation abgestimmte medizinische Beratung verstanden werden.
Was die Ergebnisse beitragen
Die Studie stärkt die Evidenz dafür, dass die Auswirkungen bariatrischer Chirurgie über Gewichtsverlust und die unmittelbare Behandlung adipositasbedingter Erkrankungen hinausgehen könnten. Der ähnliche Zusammenhang über Altersgruppen und Geschlechter hinweg vermittelt Ärztinnen, Ärzten und Forschenden ein umfassenderes Bild der Bevölkerung, in der der Befund zum Krebsrisiko beobachtet wurde.
Die Studie weist zudem auf Bereiche für weitere Untersuchungen hin. Forschende müssen klären, warum bei einigen Krebsarten besonders große Reduktionen auftraten, wie lange der Zusammenhang anhält und wie er mit anderen Veränderungen nach der Operation zusammenhängt. Diese Fragen sind besonders relevant, da adipositasbedingte Krebserkrankungen in westlichen Ländern weiterhin ein wachsendes Problem für die öffentliche Gesundheit darstellen.
Die wichtigste Erkenntnis ist vorerst klar: In dieser großen Kohorte aus drei nordischen Ländern hatten Menschen mit Adipositas, die sich einer bariatrischen Operation unterzogen hatten, ein geringeres Risiko, an einer adipositasbedingten Krebserkrankung zu erkranken. Dieser Zusammenhang wurde durch das Alter bei der Operation oder das Geschlecht nicht wesentlich verändert.
Dieser Artikel basiert auf einer Berichterstattung von Medical Xpress. Originalartikel lesen.
Originally published on medicalxpress.com







