Psychische Erkrankungen sind jetzt die führende Ursache für Behinderung weltweit

Psychische Erkrankungen sind nach einer großen neuen Analyse, die Trends in 204 Ländern verfolgt hat, zur führenden Ursache von Behinderung auf der ganzen Welt geworden. Die Studie ergab, dass im Jahr 2023 fast 1,2 Milliarden Menschen mit einer psychischen Erkrankung lebten, fast doppelt so viele wie 1990 erfasst wurden.

Die Ergebnisse weisen auf eine lang aufbauende öffentliche Gesundheitskrise hin, die durch die Pandemie verschärft wurde, aber nicht auf sie beschränkt ist. Die Forschenden sagten, die wachsende Belastung spiegele wahrscheinlich eine Mischung aus pandemiebedingtem Stress und tieferen strukturellen Belastungen wider, darunter Armut, Unsicherheit, Missbrauch, Gewalt und abnehmende soziale Verbundenheit. Das Ausmaß des Anstiegs zeigt, dass psychische Gesundheit in der Gesundheitspolitik nicht länger ein Randthema ist. Sie steht nun im Zentrum von Behinderung, Lebensqualität und langfristiger wirtschaftlicher Resilienz.

Angst und Depression haben sich seit 2019 beschleunigt

Die neue Analyse berichtete nach dem Ausbruch von COVID-19 über ein besonders starkes Wachstum von Angst und Depression. Die Raten der Major Depression sind seit 2019 um etwa 24% gestiegen, während Angststörungen um mehr als 47% zunahmen.

Diese Zahlen sind bedeutsam, weil sie zeigen, dass die Pandemie nicht nur einen vorübergehenden Schock ausgelöst hat. Stattdessen scheint sie bereits weit verbreitete und vielerorts unterdiagnostizierte oder unzureichend behandelte Zustände verschärft zu haben. Angst und Depression gehören zudem zu den Störungen, die am engsten mit der alltäglichen Funktionsfähigkeit verbunden sind, was erklärt, warum die Studie psychische Erkrankungen ebenso als Behinderungsproblem wie als klinisches Problem einordnet.

Für Gesundheitssysteme ist dieser Unterschied wichtig. Die Behinderungsbelastung wirkt sich auf Bildung, Beschäftigung, Pflege und soziale Teilhabe aus, was bedeutet, dass die Folgen weit über Krankenhäuser und Kliniken hinausreichen. Eine Störung muss nicht tödlich sein, um eine Lebensbahn zu verändern, und die Studie argumentiert, dass genau das in einem Ausmaß der Bevölkerung geschieht.

Jugendliche und junge Frauen gehören zu den am stärksten Betroffenen

Die Autorinnen und Autoren sagten, dass die Belastung durch psychische Störungen bei 15- bis 19-Jährigen ihren Höhepunkt erreicht, was die Adoleszenz zu einem besonders wichtigen Interventionszeitpunkt macht. Dieser Befund unterstreicht, wie psychische Gesundheit die Zukunft eines Menschen prägen kann, bevor das Erwachsenenalter überhaupt richtig begonnen hat. Probleme, die in diesen Jahren entstehen, können Schulbildung, Beziehungen, Berufsaussichten und langfristige Stabilität beeinträchtigen.

Die Studie ergab außerdem, dass Frauen unverhältnismäßig stark betroffen sind. Die Forschenden verwiesen auf Care-Arbeit, Geschlechterungleichheit und höhere Missbrauchsraten als mögliche beitragende Faktoren. Dieses Muster untermauert eine breitere Botschaft der Analyse: Entwicklungen in der psychischen Gesundheit hängen nicht nur von individueller Verletzlichkeit ab, sondern auch von sozialen Bedingungen, die das Risiko in ganzen Bevölkerungen verstärken können.

Die Konzentration der Belastung bei jungen Menschen und Frauen wirft auch Fragen für politische Entscheidungsträger auf, wo Präventions- und Behandlungsressourcen am besten eingesetzt werden sollten. Unterstützung an Schulen, zugängliche gemeindenahe Versorgung und gezielter Schutz für Menschen, die Gewalt oder chronischem Stress ausgesetzt sind, können ebenso wichtig sein wie der Ausbau klassischer psychiatrischer Dienste.

Eine größere gesundheitliche Herausforderung verlangt eine größere Antwort

Das Forschungsteam sagte, die wachsende Krise werde mehr Investitionen in die psychische Versorgung, einen breiteren Zugang zu Behandlung und stärkere Unterstützung für Risikogruppen erfordern. Das ist ein vertrautes Rezept, doch die Größe der neuen Schätzung verleiht ihm neue Dringlichkeit. Fast 1,2 Milliarden Menschen sind eine Belastung, die zu groß ist, um sie als Nischenthema einer Fachrichtung zu behandeln.

Die in The Lancet als Teil der Global Burden of Disease Study 2023 veröffentlichte Studie stützt Argumente dafür, psychische Gesundheit noch stärker in die allgemeine Gesundheitsplanung zu integrieren. Dazu gehören der Ausbau des Personals, frühes Screening, langfristige Nachsorge und bessere Verknüpfungen zwischen psychischer Versorgung und sozialen Diensten.

Sie legt auch nahe, dass Messung selbst wichtig ist. Durch den Vergleich der Trends von 1990 bis 2023 zeigt die Analyse, wie sich psychische Erkrankungen zu einer der prägenden öffentlichen Gesundheitsbelastungen dieser Epoche entwickelt haben. Der Anstieg ist nicht auf eine Region oder Altersgruppe beschränkt, auch wenn einige Bevölkerungsgruppen stärker betroffen sind als andere.

Die übergeordnete Erkenntnis ist klar. Psychische Erkrankungen sind in den globalen Daten keine verborgene oder randständige Belastung mehr. Sie stehen im Zentrum der Behinderung weltweit, und der in der neuen Analyse gezeigte Verlauf deutet darauf hin, dass diese Last ohne stärkere Maßnahmen kaum von selbst nachlassen wird.

Dieser Artikel basiert auf einer Berichterstattung von Medical Xpress. Den Originalartikel lesen.

Originally published on medicalxpress.com