Ein großes Offshore-Windprojekt geht in die nächste Phase
Eines der wichtigsten Projekte für saubere Energie in Polen ist in die Offshore-Bauphase eingetreten. Ørsted und PGE haben in dem polnischen Teil der Ostsee mit den Installationsarbeiten für Baltica 2 begonnen und damit die Fundamentphase eines 1,5-Gigawatt-Windparks eingeleitet, der nach Angaben der Unternehmen genug Strom für rund 2,5 Millionen Haushalte erzeugen soll.
Die ersten Monopile-Fundamente wurden bereits installiert und machen aus einem lange entwickelten Projekt eine sichtbare maritime Baustelle. Für Polen ist dieser Schritt über die reine Kapazitätszahl hinaus wichtig. Er signalisiert Fortschritte bei einer großen heimischen Quelle emissionsfreier Stromerzeugung zu einer Zeit, in der Energiesicherheit, Systemdiversifizierung und industrieller Ausbau eng miteinander verknüpft sind.
Das Ausmaß der Ingenieurleistung
Baltica 2 ist ein gewaltiges physisches Vorhaben. Van Oord führt das Installationsprogramm für 111 Monopiles aus, von denen 107 Windturbinen tragen und vier für Offshore-Umspannwerke dienen werden. Jeder Monopile ist etwa 100 Meter lang, mehr als 10 Meter im Durchmesser und wiegt im Durchschnitt rund 1.500 Tonnen. Dabei handelt es sich nicht um Standardbauteile. Den Ausgangsmaterialien zufolge sind sie für ihre jeweiligen Standorte konstruiert und darauf ausgelegt, Turbinen unter Meeresbedingungen etwa 30 Jahre lang zu tragen.
Das Projekt liegt rund 40 Kilometer vor der polnischen Küste nahe Ustka. Bau und Offshore-Einsätze werden vom Hafen von Gdańsk aus organisiert, der für Vormontage, Lagerung und Ausbringung der Komponenten genutzt wird. Diese logistische Präsenz ist wichtig, weil große Offshore-Windprojekte nicht nur zusätzliche Erzeugung schaffen, sondern auch Hafenaktivität, Nachfrage nach maritimen Dienstleistungen und Arbeiten an der Netzinfrastruktur an Land auslösen.
Was als Nächstes kommt
Die Kampagne zur Fundamentinstallation soll bis ins vierte Quartal 2026 andauern. Danach folgt die Installation der Turbinen, wobei Siemens Gamesa 107 Anlagen mit jeweils 14 Megawatt liefert. Die Montage dieser Turbinen übernimmt Cadeler zusammen mit Fred. Olsen Windcarrier. Die vollständige Inbetriebnahme des Windparks wird bis Ende 2027 erwartet.
Ørsted und PGE teilen sich Eigentum und Betriebsverantwortung jeweils zur Hälfte. Diese Partnerschaftsstruktur spiegelt die Doppelrolle des Projekts als internationale Offshore-Windentwicklung und als strategisches nationales Asset wider. Nach Fertigstellung werde der Windpark, so PGE-CEO Dariusz Lubera, voraussichtlich 5 bis 6 Terawattstunden Strom pro Jahr erzeugen.
Warum Baltica 2 für Polen wichtig ist
Der energiewirtschaftliche Fall für das Projekt stützt sich auf drei überlappende Ziele. Das erste ist die Versorgung. Ein 1,5-Gigawatt-Offshore-Windpark ist eine erhebliche Ergänzung für Polens Stromsystem, insbesondere gestützt durch einen 25-jährigen Contract for Difference mit der polnischen Regierung. Dieser Mechanismus sorgt während der Förderphase für Preisstabilität und verringert die Finanzierungsunsicherheit für ein Projekt dieser Größenordnung.
Das zweite Ziel ist die Sicherheit. Polen arbeitet daran, seine Energiebasis zu verbreitern, und große Offshore-Ressourcen in der Ostsee bieten eine heimische Stromquelle, die nicht an importierte fossile Brennstoffe gebunden ist. Lubera stellte die Investition ausdrücklich als Stärkung der polnischen Energiesicherheit bei gleichzeitiger Bereitstellung einer stabilen Quelle emissionsfreien Stroms dar.
Das dritte Ziel ist die industrielle Leistungsfähigkeit. Offshore-Wind erfordert eine Lieferkette aus Häfen, Schiffen, Fundamenten, Turbinen, Umspannwerken und Netzintegration. Wenn Projekte wie Baltica 2 vorankommen, entscheidet sich daran, ob Polen lediglich ein Aufnahmemarkt für Offshore-Anlagen bleibt oder eine dauerhaftere Rolle im weiteren Windenergie-Ökosystem der Ostsee aufbaut.
Ein Meilenstein, nicht das Ziel
Das Projekt hat bereits die erforderlichen Genehmigungen und eine Netzanschlussvereinbarung mit dem polnischen Übertragungsnetzbetreiber PSE erhalten. Diese Schritte senken die großen Entwicklungsrisiken, beseitigen sie aber nicht. Offshore-Windprojekte bleiben komplexe maritime Operationen mit langen Zeitplänen und hohem logistischem Aufwand. Die Installation der ersten Monopiles ist daher am besten als Meilenstein zu verstehen, der Dynamik bestätigt, nicht als Abschluss.
Dennoch ist es ein wichtiger Meilenstein. Der Ausbau der Offshore-Windenergie in Europa stand in den vergangenen Jahren unter Kosten-, Lieferketten- und Finanzierungsdruck. Vor diesem Hintergrund sticht der konkrete Fortschritt bei einem Projekt dieser Größe hervor. Baltica 2 ist nicht länger nur ein Ziel auf einer politischen Folie oder eine Kapazitätszahl in einer Investitionspräsentation. Es wird zu Infrastruktur im Wasser.
Wenn der Bau planmäßig fortschreitet, wird Polen bis Ende 2027 nicht nur ein großes neues Asset für saubere Energie gewinnen, sondern auch ein stärkeres Argument dafür haben, ein ernstzunehmender Offshore-Windmarkt in der Ostsee zu sein. Für ein Land, das Dekarbonisierung und Sicherheitsbedenken ausbalanciert, dürfte diese Kombination ebenso wichtig sein wie die Schlagzeilenzahl in Gigawatt.
Dieser Artikel basiert auf einer Berichterstattung von Energy Monitor. Zum Originalartikel.
