Europäische Strommärkte verbringen mehr Zeit unter null

Die europäischen Day-Ahead-Strommärkte verzeichneten im ersten Quartal 2026 einen starken Anstieg negativer Preise. Das ist ein Zeichen dafür, dass erneuerbare Erzeugung zunehmend mit der begrenzten Flexibilität der Netze kollidiert. Laut der Beratungsfirma Ricardo meldeten die EU-27-Märkte in diesem Quartal 1.223 Stunden mit Strompreisen unter null, nach 593 Stunden im selben Zeitraum des Vorjahres und weit über dem jüngsten Tief von 119 Stunden im ersten Quartal 2022.

Der Sprung ist eines der bislang deutlichsten Marktsignale dafür, dass das Wachstum sauberer Energie neue operative Belastungen erzeugt. Negative Preise entstehen, wenn das Stromangebot die Nachfrage übersteigt und dem System nicht genügend Speicher, Nachfrageflexibilität, Übertragungskapazität oder Abregelungswerkzeuge zur Verfügung stehen, um den Überschuss effizient aufzunehmen.

Spanien, Portugal und Griechenland trieben einen großen Teil des Anstiegs

Die aggregierte EU-Zahl verdeckt sehr unterschiedliche nationale Muster. Allein Spanien entfiel im ersten Quartal auf 347 Stunden mit negativen Preisen und war damit der größte Einzelbeitrag in Ricardos Daten. Auch Portugal und Griechenland wurden als wesentliche Treiber des Anstiegs genannt.

Zur gleichen Zeit entwickelten sich die nordischen Märkte in die entgegengesetzte Richtung. Finnland und Schweden, die zuvor große Ausschläge bei negativen Preisen erlebt hatten, kehrten im Berichtszeitraum auf null Stunden mit negativen Preisen zurück. Dieser Kontrast zeigt, dass der breitere europäische Trend nicht einheitlich ist. Der Druck baut sich vor allem dort sichtbar auf, wo erneuerbare Erzeugung, Netzbedingungen und Handelsdynamik zusammen mehr Überschusssituationen erzeugen.