Eine private Nachricht ist Teil eines größeren öffentlichen Streits geworden
Eine neue Eingabe in Elon Musks Klage gegen OpenAI hat einem ohnehin hochkarätigen Konflikt ein scharfes neues Detail hinzugefügt: Nach Darstellung von OpenAIs Anwälten schickte Musk kurz vor Prozessbeginn eine Textnachricht an OpenAI-Präsident Greg Brockman, die Vergleichsgespräche mit einer offensichtlichen Drohung verband. In der Eingabe, wie sie in dem Bericht beschrieben wird, soll Musk geschrieben haben, dass Brockman und CEO Sam Altman bis zum Ende der Woche „die meistgehassten Männer Amerikas“ sein würden, falls sie auf einer Fortsetzung bestünden.
Die Eingabe ist nicht deshalb bedeutsam, weil sie die zugrunde liegende Klage löst, sondern weil sie einen Einblick darin gibt, wie OpenAI Musks Motive darzustellen versucht. Statt den Streit als prinzipielle Auseinandersetzung über Gründungsverpflichtungen und die Ausrichtung des Unternehmens zu behandeln, argumentiert OpenAI, dass Musks Verhalten den Versuch widerspiegele, einen Konkurrenten und dessen Führung mit Zwangsmitteln unter Druck zu setzen.
Das ist selbst für einen bereits stark persönlichen und wirtschaftlich folgenschweren Rechtsstreit eine erhebliche Verschiebung des Tons.
Was die Eingabe behauptet
Laut dem Bericht schickte Musk am 25. April, zwei Tage vor dem geplanten Prozessbeginn, eine SMS an Brockman, um Interesse an einem möglichen Vergleich auszuloten. Brockman habe daraufhin vorgeschlagen, dass beide Seiten ihre Ansprüche fallenlassen. Musks angebliche Antwort sei die Formulierung gewesen, Brockman und Altman zu „den meistgehassten Männern Amerikas“ zu machen. OpenAIs Vertreter sagten, sie beabsichtigten nicht, einen Screenshot des Austauschs als Beweis vorzulegen, wollen aber die Textnachricht selbst einbringen, damit Brockman dazu im Zeugenstand befragt werden kann.
Diese Unterscheidung ist wichtig. Der öffentliche Bericht beruht an diesem Punkt auf OpenAIs Eingabe und der Beschreibung des Berichts, nicht auf einem für die Allgemeinheit veröffentlichten Screenshot in den Akten. Der Fall bleibt damit teilweise durch juristisches Framing vermittelt. Dennoch ist der Kern der Behauptung deutlich genug, um für sich genommen Folgen zu haben.
OpenAIs Anwälte argumentieren, der Austausch sei „eher erpresserisch als versöhnlich“ gewesen. Sie verknüpften ihn zudem mit dem, was sie als ähnliche Vergleichsdrohung in Musks Rechtsstreit um sein Übernahmeangebot für Twitter und seinen späteren Versuch, den Deal aufzugeben, beschrieben. Es geht ihnen nicht nur darum, den Ton zu kritisieren. Sie wollen ein Muster aufzeigen, das aus ihrer Sicht eine Schlussfolgerung über Motivation und Voreingenommenheit stützt.





