Die unbeabsichtigte Folge der Durchsetzung von Urheberrechten
Erwachsenen-Content-Ersteller auf Plattformen wie OnlyFans kämpfen einen endlosen Kampf gegen Piraterie. Ihre gestohlenen Bilder und Videos werden in zwielichtigen Online-Foren gehandelt und tauchen oft in den Google-Suchergebnissen auf. Um dem entgegenzuwirken, reichen Ersteller und ihre Vertreter Millionen von DMCA-Takedown-Anfragen (Digital Millennium Copyright Act) ein, um Suchmaschinen zu zwingen, urheberrechtsverletzende Seiten zu entfernen. Eine neue Analyse des Cybersicherheitsunternehmens UpGuard zeigt jedoch einen unerwarteten Nebeneffekt: Diese Takedowns entfernen auch gehackte Regierungs- und Universitätswebsites, die Betrüger zweckentfremdet haben, um bösartige Links zu hosten, die als "geleakte" OnlyFans-Inhalte getarnt sind.
Laut UpGuards Forschung, die WIRED exklusiv zur Verfügung gestellt wurde, haben in den letzten 15 Jahren mehr als 2.000 Domains von Regierungen und Bildungseinrichtungen in 80 Ländern DMCA-Takedown-Anfragen im Zusammenhang mit Erwachseneninhalten erhalten. Die Zahl solcher Vorfälle ist seit 2020 dramatisch gestiegen, zeitgleich mit dem Boom der Creator Economy und der Verbreitung von OnlyFans. Die Betrüger nutzen die hohe Autorität von .gov- und .edu-Domains, die in Suchmaschinen gut ranken, um Seiten zu hosten, die kostenlosen Zugang zu Premium-Erwachsenenmaterial versprechen. Diese Seiten führen oft zu Malware, Phishing oder anderen Betrugsmaschen.
Wie Betrüger offizielle Websites kapern
Seit Jahren kompromittieren Cyberkriminelle unsichere Regierungs- und Universitätswebsites, um bösartige Inhalte hochzuladen. Sie erstellen Seiten oder PDFs, die angeblich kostenlose Film-Downloads, iPhones, Pornografie oder Fortnite-Skins anbieten. Indem sie die Namen beliebter OnlyFans-Ersteller verwenden, locken sie Nutzer, die nach geleakten Inhalten suchen. Die gehackten Seiten wirken aufgrund der vertrauenswürdigen Domain legitim, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Nutzer darauf klicken und Opfer von Betrug werden.
UpGuards Analyse identifizierte Tausende solcher kompromittierten Domains. Die Forscher fanden heraus, dass viele dieser Seiten wiederholt gekapert wurden, wobei Betrüger dieselben Sicherheitslücken ausnutzten, um nach der Entfernung alter Seiten neue bösartige Seiten hochzuladen. Die DMCA-Takedown-Anfragen, die von Unternehmen im Auftrag von Erwachsenen-Erstellern eingereicht werden, zielen auf diese Seiten wegen Urheberrechtsverletzungen ab. Im Erfolgsfall werden die Seiten aus den Suchergebnissen entfernt, wodurch der Betrug neutralisiert wird.
Die Perspektive der Ersteller
Die Erwachsenen-Content-Erstellerin Laura Lux, die seit fast zwei Jahrzehnten online veröffentlicht, beschreibt den Kampf gegen Piraterie als "endlosen Kampf". Sie stellt fest, dass gestohlene Inhalte den Erstellern erhebliche Einnahmen kosten, da sie durch eine einfache Google-Suche frei verfügbar werden. Lux betont die Bedeutung von DMCA-Diensten und erklärt, dass Ersteller ohne sie nicht in der Lage wären, ihre Arbeit zu schützen. Sie war sich jedoch nicht bewusst, dass ihre Takedown-Anfragen möglicherweise auch gehackte Regierungsseiten bereinigen.
Lux veröffentlicht hauptsächlich auf OnlyFans, hat aber in der Vergangenheit auch Patreon und ihre eigene Abonnement-Website genutzt. Sie erklärt, dass das Piraterie-Ökosystem größtenteils von Männern angetrieben wird, die gestohlene Erwachseneninhalte in privaten Foren handeln. Das Ausmaß des Problems ist immens: Jährlich werden Millionen von DMCA-Anfragen gestellt. Während das Hauptziel darin besteht, die Lebensgrundlage der Ersteller zu schützen, ist der Nebeneffekt der Entfernung von Betrugsseiten ein willkommener Nebeneffekt.
Das Ausmaß des Problems
UpGuards Forschung unterstreicht die weit verbreitete Natur dieses Problems. Die über 2.000 betroffenen Domains erstrecken sich über 80 Länder, was auf ein globales Problem hindeutet. Viele dieser Websites gehören zu lokalen Regierungen, Schulbezirken und Universitäten, die keine robusten Cybersicherheitsmaßnahmen haben. Die kompromittierten Seiten bleiben oft über längere Zeiträume online, da die Website-Administratoren möglicherweise nichts von der Entführung wissen. Der DMCA-Takedown-Prozess, der eigentlich für die Durchsetzung von Urheberrechten gedacht ist, dient unbeabsichtigt als Bereinigungsmechanismus für diese bösartigen Seiten.
Der Anstieg der Entführungen seit 2020 korreliert mit dem Aufstieg von OnlyFans und der breiteren Erwachsenen-Creator Economy. Je mehr Ersteller Plattformen wie OnlyFans beitreten, desto größer wird die Nachfrage nach geleakten Inhalten, was einen lukrativen Anreiz für Betrüger darstellt. Die Verwendung von .gov- und .edu-Domains verleiht den Betrugsmaschen eine zusätzliche Glaubwürdigkeit, die sie effektiver macht.
Auswirkungen auf die Cybersicherheit
Die Überschneidung von Urheberrechtsdurchsetzung und Cybersicherheit wirft wichtige Fragen auf. Während DMCA-Takedowns kein Ersatz für eine ordnungsgemäße Website-Sicherheit sind, bieten sie eine vorübergehende Lösung für kompromittierte Seiten. Die zugrunde liegenden Sicherheitslücken bleiben jedoch bestehen, sodass Betrüger dieselben Domains erneut kapern können. UpGuard empfiehlt, dass Regierungs- und Bildungseinrichtungen der Schließung von Sicherheitslücken und der Überwachung ihrer Websites auf unbefugte Änderungen Priorität einräumen.
Für Erwachsenen-Ersteller unterstreicht die Situation die Bedeutung eines proaktiven Urheberrechtsschutzes. Viele Ersteller beauftragen mittlerweile DMCA-Takedown-Dienste, die automatisch nach gestohlenen Inhalten suchen und Beschwerden einreichen. Diese Dienste sind zu unverzichtbaren Werkzeugen in der Creator Economy geworden, tragen aber auch zur unbeabsichtigten Bereinigung des Webs bei.
Fazit
Die versehentliche Entfernung gehackter Regierungswebsites durch DMCA-Takedowns von OnlyFans-Erstellern ist ein faszinierendes Beispiel für unbeabsichtigte Folgen. Es unterstreicht das komplexe Zusammenspiel zwischen Urheberrecht, Cybersicherheit und der Creator Economy. Während die Hauptmotivation der Schutz geistigen Eigentums ist, umfasst die breitere Auswirkung die Verbesserung der Internetsicherheit für alle Nutzer. Da die Creator Economy weiter wächst, wird die Rolle von DMCA-Takedowns bei der Bekämpfung von Piraterie und Cyberbetrug wahrscheinlich noch bedeutender werden.
Dieser Artikel basiert auf einer Berichterstattung von Wired. Lesen Sie den Originalartikel.
Originally published on wired.com





