Bundesgerichte sehen sich mit einer neuen Art von KI-Druck konfrontiert

Eine neue Studie von Forschern des MIT und der University of Southern California legt nahe, dass generative KI den Zugang zum US-Rechtssystem auf direkte und messbare Weise verändert. Die Forscher stellten fest, dass Klagen ohne Anwalt vor US-Bundesgerichten im Zivilrecht nach der breiten Verfügbarkeit von ChatGPT stark zunahmen, wobei inzwischen jede fünfte Klage KI-generierten Text enthält. Was zunächst wie ein demokratisierender Effekt für Menschen erscheint, die sich keinen Anwalt leisten können, entwickelt sich zugleich zu einer operativen Belastung für Richter und Gerichtsmitarbeiter.

Die Studie analysierte 4,5 Millionen Zivilklagen aus den Haushaltsjahren 2005 bis 2026 sowie 46 Millionen Einträge aus PACER, dem elektronischen Bundesregister für Verfahren. Ihre zentrale Kennzahl war die pro-se-Rate, also der Anteil der Fälle, die von Personen eingereicht werden, die sich selbst vertreten. Über rund zwei Jahrzehnte lag dieser Wert bei etwa 11 Prozent der bundesweiten Zivilverfahren stabil. Im Haushaltsjahr 2025 stieg er auf 16,8 Prozent, mit 41.490 pro-se-Einreichungen allein in diesem Jahr, fast doppelt so viel wie der in der Studie beschriebene Durchschnitt vor der KI-Ära.

Dieser Anstieg ist wichtig, weil das Bundesgericht nicht der einfachste Ort für selbstvertretende Kläger ist. Die Einreichungsgebühren sind hoch, die formellen Anforderungen an Schriftsätze streng, und der Großteil der Zivilverfahren in den USA findet ohnehin vor Staats- und Lokalgerichten statt. Die Forscher argumentieren, dass, wenn Bundesverfahren bereits ein solches Maß an KI-bezogenem Wachstum zeigen, der Effekt in den unteren Instanzen noch größer sein könnte. Mit anderen Worten: Die Bundeszahlen könnten die sichtbare Spitze eines breiteren Wandels sein.

Wo KI hilft und wo nicht

Das Muster ist nicht bei allen Fallarten gleich. Das Wachstum konzentriert sich auf Bereiche, in denen eine Klage oft auf bekannten Vorlagen und Verfahrensformularen aufbauen kann, darunter Bürgerrechtsklagen, Streitigkeiten um Verbraucherkredite und Verfahren im Zusammenhang mit Zwangsvollstreckungen. Demgegenüber zeigen Felder, die tiefes Spezialwissen erfordern, etwa Patentrecht oder Wertpapierrecht, in der Studie keinen vergleichbaren Effekt.

Diese Unterscheidung ist einer der wichtigsten Befunde der Studie. Große Sprachmodelle scheinen eine bestimmte Hürde zu senken: das Verfassen prozessual brauchbarer Dokumente. Sie nivellieren nicht die gesamte Komplexität des Rechtssystems. In einfacheren oder stärker standardisierten Streitigkeiten kann KI einer Nichtjuristin oder einem Nichtjuristen helfen, etwas zu erstellen, das einer ordnungsgemäßen Klage ausreichend ähnelt, um vor Gericht zu gelangen. In hoch technisierten Verfahren scheint dieser Vorteil begrenzt zu sein.

Der Anstieg konzentriert sich zudem auf Klägerseite und zeigt sich gleichzeitig in 44 von 50 Bundesstaaten, eine Verteilung, die die Forscher als Hinweis gegen lokale Erklärungen werten. Diese breite geografische Streuung stärkt die These, dass die Verschiebung mit einem nationalen technologischen Wandel zusammenhängt und nicht mit wenigen regionalen Rechtstrends.

Das Arbeitslastproblem könnte größer sein als das Einreichungsproblem

Die Studie beschreibt keinen Zusammenbruch bei den Verfahrensausgängen. Verfahrensdauer und Ergebnisverteilungen seien weitgehend unverändert geblieben. Das bedeutet jedoch nicht, dass das System unberührt bleibt. Der unmittelbarere Druck zeigt sich in der Menge der Aktivitäten innerhalb jedes Falls.

Laut den Forschern lag die Zahl der Docket-Einträge pro Gericht von pro-se-Klägern in den ersten 180 Tagen des Verfahrens im zweiten Quartal 2025 um 158 Prozent über dem Durchschnitt vor der KI-Ära. Jeder dieser Einträge erfordert Aufmerksamkeit. Anträge, Erwiderungen, Beschlüsse, Verfahrensmitteilungen und Korrekturen kosten Personalzeit. Selbst wenn eine Einreichung ein Verfahren nicht wesentlich voranbringt, muss sie dennoch bearbeitet werden.

Die Studie berichtet außerdem, dass auch vertretene Fälle mehr Einträge erzeugen, mit einem Plus von 23 Prozent pro Fall, was darauf hindeutet, dass auch Anwälte und Kanzleien große Sprachmodelle nutzen könnten. Dieses Detail geht leicht unter, verweist aber auf einen breiteren administrativen Wandel. KI bringt möglicherweise nicht nur neue Nutzer ins System, sondern beschleunigt auch das Tempo, mit dem alle Arten von Prozessparteien Schriftstücke produzieren.

Zugang zur Justiz und administrative Überlastung treten gleichzeitig auf

Die Idee, dass KI die Gerechtigkeitslücke verkleinern könnte, hat eine intuitive Plausibilität. Juristische Dienstleistungen sind teuer, und viele Menschen mit berechtigten Beschwerden gelangen nie vor Gericht, weil die verfahrensrechtliche Hürde zu hoch ist. Wenn KI-Tools jemandem helfen können, eine Klage vorzubereiten, Fakten zu ordnen und Formalien zu bewältigen, wirkt das wie ein Gewinn für den Zugang.

Die Studie legt jedoch nahe, dass Zugang und Überlastung gleichzeitig eintreten. Bundesrichter greifen demnach zu stärkeren Maßnahmen, um die Flut der Einreichungen zu bewältigen. Selbst wenn viele Klagen ernst gemeint sind, muss das System dennoch ein größeres Volumen an Dokumenten aufnehmen, die schematisch, repetitiv oder nur oberflächlich regelkonform sein können. Ein Gerichtssystem, das auf menschlich begrenzte Entwurfsleistung ausgelegt ist, sieht sich nun softwaregestützter Fülle gegenüber.

Das schafft ein politisches Dilemma. Eine zu strenge Einschränkung KI-generierter Schriftsätze könnte Menschen ausschließen, die tatsächlich Hilfe brauchen. Lässt man den Trend ohne Anpassung wachsen, könnten bereits überlastete Gerichte weiter blockiert werden. Die Herausforderung besteht nicht nur darin, ob KI in die juristische Schriftsatzarbeit gehört, sondern darin, ob Institutionen zwischen Hilfe, die den sinnvollen Zugang erweitert, und Output unterscheiden können, der administratives Rauschen vervielfacht.

Was diese Verschiebung als Nächstes bedeuten könnte

Die unmittelbarste Folge ist operativer Natur. Gerichte könnten neue Prüfroutinen, klarere Offenlegungspflichten oder strengere Format- und Verifikationsregeln für selbst eingereichte Klagen benötigen. Außerdem dürften Investitionen in Personal und digitale Workflows nötig werden, die für höhere Einreichungszahlen ausgelegt sind.

Die tiefere Folge ist kulturell. Generative KI verändert, wer sich überhaupt in der Lage fühlt, eine formelle rechtliche Maßnahme einzuleiten. Eine Klage, die früher Geld, Fachwissen oder beides erforderte, kann heute in Minuten mit einem Prompt formuliert werden. Das garantiert keinen guten Fall, senkt aber die Teilnahmehürde.

Die Studie beschreibt diese Verschiebung als historisch bedeutsam. Über Jahre blieb die bundesweite pro-se-Rate auffallend stabil. Der Sprung nach ChatGPT durchbricht dieses lange Muster. Ob daraus eine dauerhafte Ausweitung des rechtlichen Zugangs oder eine anhaltende Papierkrise wird, dürfte weniger von den Modellen selbst abhängen als davon, wie schnell sich die Gerichte an das neue Volumen maschinengestützter Rechtsvertretung anpassen.

Dieser Artikel basiert auf einer Berichterstattung von The Decoder. Den Originalartikel lesen.

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